
Es ist 2025 und wir wollen unseren Törn auf die Kanarische Inseln fortsetzen.
Obwohl die Quinta do Lorde auf Madeira eine durchaus gut geführte Marina ist, ist die Wettersituation im Nordosten von Madeira in den Wintermonaten schon manches Mal etwas ungemütlich.
Das eine oder andere Tief zieht durch, was dort vor Ort über die Zeit ziemlich auf die Leinen und Fender geht. Aber wir waren ja sowieso nur auf Durchreise mit erweitertem Zwischenstopp auf Madeira.

Für die Überfahrt nach Lanzarote findet sich mit unserem Freund Roman ein kompetenter Mitsegler, der Lust auf ein paar Tage Ozean hat. Wir fliegen Mitte April schon mal zum Boot, machen alles wieder seeklar und räumen die Seitenkabine frei. Neben dem "boat office" bleibt auch noch ein bisschen Zeit zum Wandern, so dass die zwei Wochen bis zum Eintreffen der Verstärkung schnell vorbei sind. Ebenfalls vorbei ist dann allerdings auch das ideale Wetterfenster - im Frühjahr darf man noch nicht auf durchgehend stabilen Nordostpassat hoffen. Also warten wir gemeinsam mit anderen Bootscrews das aktuelle Sturmtief ab. Abends fliegt noch die Gischt waagerecht durch den Hafen, aber am Morgen des 2. Mai ist alles ruhig, und wir nutzen das kleine Wetterfenster, um loszukommen.
Überfahrt nach Lanzarote
Leider ist die Wettersituation jedoch so ungünstig, dass anschließend mindestens eine Woche mit sehr viel Flautenzeit gerechnet werden muss. Daran scheitert letztendlich das Vorhaben, den Islas Selvagens einen Besuch abzustatten. Wäre sicher nett gewesen, aber danach hätten wir wirklich keinerlei Wind mehr gehabt, um nach Lanzarote zu kommen.
So entscheiden wir uns zwei Stunden nach dem Auslaufen, den Selvagens ein kleines "adios" zuzuflüstern und setzen direkt Kurs auf die Nordspitze von Lanzarote. Immerhin bringt uns das an Tag 1 noch ganz guten Wind, so dass wir in den ersten 24 Stunden ordentlich Strecke machen. Am Folgetag bereiten wir den Parasailor vor, um bei Schwachwind von achtern noch eine Chance zum Segeln zu haben. Leider dauert es keine zwei Stunden mehr, bis der Wind endgültig einschläft. Also Motor an und zum Trost was leckeres Kochen. Das wiederum kann der Skipper nicht wirklich genießen, da er sich offenbar irgendetwas eingefangen hat und deshalb sprichwörtlich "in den Seilen hängt". Immerhin sind wir zu dritt und haben deswegen recht entspannte Nachtwachen. Mit Roman an Bord ist jemand mit dabei, der weiß, was zu tun ist und das Boot schon ein wenig kennt. Daher liegt die Stammbesatzung zwischendurch auch mal in den Federn und lässt sich rumschippern - ein seltener Luxus!
Immerhin, am dritten Tag der Überfahrt haben wir mit dem Parasailor zumindest etwas mehr Glück, so dass die Seglerseele wieder gechillt ist und wir in der Sonne noch eine Runde die Heckdusche genießen können. Mit dem wirklich allerletzten Licht fällt der Anker vor der Playa Francesa auf La Graciosa, und nach ein paar Gläsern "Chanel No. 5" (sorry, Insider...) freuen wir uns wirklich auf's Ausschlafen!
La Graciosa

La Graciosa wirkt ein bisschen wie eine Mondlandschaft, jedenfalls wenn man gerade von der feuchten und grünen Insel Madeira kommt. Es ist wüstenartig mit ein paar kleineren Bergen; die Fortbewegung erfolgt weitgehend per pedes oder mit SUVs auf einer Sandpiste.
Nachdem wir das Dinghy aus dem Schiffskeller geholt haben, bespaßen wir uns damit, das Dinghy zu beachen und benutzen mal wieder ein bisschen die Beine. Im Hauptort Caleta del Sebo angekommen werden wir mit einer schönen Auswahl an schattigen Plätzen vor Restaurants und Bars belohnt. Nach einigen Stunden gepflegten Abhängens geht's dann wieder heim für eine Schwimmrunde und den obligatorischen Sundowner.
Und schon gibt es wieder ein Thema mit dem Wind: der nächste Tag scheint auf Sicht der letzte mit brauchbarem Segelwind zu sein. Kurzentschlossen holen wir unseren Anker hoch und segeln entlang der Ostseite von Lanzarote in die Bucht der Playa Quemada. Ein wunderschönes Fleckchen mit einem sehr kleinen Ort, nahezu nicht touristisch beansprucht und deshalb tiefenentspannt.

Dinghy beachen ist hier allerdings anspruchsvoller: es gibt reichlich Steine am Strand, und die Tidenzeiten sind leider nicht zu unseren Gunsten. Aber wir sind lernfähig und zu dritt klappt das fast wie am Schnürchen. Keiner richtig nass geworden, alle Zehen noch dran: erfolgreiches Manöver!
Nach einem kleinen Wandertag nach Puerto Calero zum Lunchen und Eisessen hängen wir noch einen Tag gemütlich in unserer kleinen Ankeroase herum, bis es Zeit wird, mal so langsam Richtung Marina Arrecife aufzubrechen. Roman muss uns nach zwei Wochen leider wieder verlassen, wir kehren wieder in den "boat office" Modus zurück und arbeiten mal wieder ein paar Stunden.
Arrecife selbst ist für eine Inselhauptstadt eher klein, hat aber gute Infrastruktur und einen gewissen rauen Charme. Es gibt Tourismus, aber erfreulicherweise eher in begrenztem Ausmaß. Eine kleine Promenade um eine vom Meer abgetrennte Lagune konzentriert einen Großteil der örtlichen Gastronomie um sich. Es gibt ein paar nette Bars uns Restaurants zu entdecken.
Mitte Mai findet Entropy seinen aktuellen Liegeplatz in der Marina Rubicon im Süden von Lanzarote. Eine recht große und sehr gut geführte Marina, die jedoch ein etwas eigenwilliges Flair hat, da sie in eine Hotellandschaft eingebettet ist, die rein touristischen Zwecken folgt. Aber es gibt nichts zu meckern - mit etwas Motivation kann man die wirklich sehr authentische Seglerbar am Ende des Hafenbeckens aufsuchen und dort einen Hauch Karibikfeeling genießen.
Auch das Boot bekommt die nötige Zuwendung: im Varadero der Marina starten wir eine große Wartungsrunde, die neben den üblichen Dingen wie Antifouling und Motorwartung diesmal auch die Revision des Ruderquadranten sowie eine vorbeugende Wartung der Saildrive-Welle einschließt.
Langsam wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Und zwar nicht nur von der Segelsaison, sondern auch von unserem Boot: Wir haben uns nach langem Überlegen dazu entschlossen, Entropy zu verkaufen. In Folge haben wir einem ortsansässigen Bootsmakler den Auftrag gegeben, Entropy zum Verkauf anzubieten.
Wir werden also unsere Zeit als Bootseigner damit auf Sicht beenden. Aber erstmal kehren wir wieder heim und nehmen das Leben als Landratten wieder auf. Der Sommer ist da!