Das war's!

Nun ist es wieder Herbst und wir sind wohlbehalten zuhause eingetrudelt. Unser Alltag hat uns schon wieder fest im Griff, so dass es nun höchste Zeit wird, das vergangene Jahr auch auf dem Blog abzuschließen.

 

Entropy liegt sicher im Winterlager, und so wird es Zeit für ein Fazit. In den vergangenen Monaten haben wir wahnsinnig viel erlebt, durften viele nette und kompetente Menschen kennenlernen und hatten eine steile Lernkurve als Schiffseigner und Blauwassersegler. Unsere Reise wäre jedoch auch nicht möglich gewesen ohne die Hilfe vieler Freunde, Nachbarn und Kollegen, die uns zuhause den Rücken frei gehalten haben. Daher an dieser Stelle noch einmal ein ganz herzliches Danke an Euch alle für diese großartige Unterstützung! 

Hier folgen nun ein paar Dinge, nach denen wir häufig gefragt werden. Oder die uns selbst aus der Sicht von "lessons learned" erwähnenswert erscheinen und eventuell anderen Seglern weiterhelfen könnten. Oder einfach nur ein wenig Segler-Gossip, der es bislang noch in keinen Blogartikel geschafft hat....

Unsere Lieblingsinseln

  • Barbuda
    Die Insel ist (war...?) ein kleines karibisches Paradies - ganz weißer Sand, türkisfarbenes Wasser und Korallenriffe. Leider ist Hurrican Irma mit voller Wucht darübergezogen, so dass es vielleicht nie wieder so wie früher sein wird. Wir hoffen jedoch, dass die Einheimischen es schaffen, Barbuda wieder zu einem lebens- und liebenswerten Ort zu machen.
  • Dominica
    Ein ökologisches Kleinod, das uns ebenfalls sehr am Herzen liegt. Die Insel hat eine wundervolle, üppige grüne Natur (Regenwälder, Wasserfälle, Vulkanismus) und sehr nette, authentische Menschen. Leider wurde auch Dominica direkt vom nächsten Hurrican Maria erwischt, so dass dort 95 % aller Häuser und Straßen zerstört sind. Die Situation auf der Insel ist auch jetzt, Wochen nach dem Hurrican, noch dramatisch. Wir hoffen sehr, dass die Menschen dort die nötige Hilfe erhalten und suchen gerade nach Wegen, dort selbst und möglichst zielgerichtet helfen zu können.
  • Saba
    Die Insel ist wirklich eine Perle, so kitschig das klingt. Oder im besten Sinn ein "hideaway". Nichts für Luxusfans oder Strandliebhaber, aber ein 1a Tauchspot und sehr zurückgezogen abseits des Massentourismus. Once in our lifes: auf "konventionellem Weg" nach Saba zurückkehren und für ein paar Wochen ein kleines holländisches Cottage mieten. Einen Stapel Bücher mitnehmen, einen Tauchkurs machen und x-mal den höchsten Berg der Niederlande besteigen!
  • Azoren
    Alle Azoren, die wir besucht haben, sind wunderbar. Es war einfach ein wundervoller Kontrast zur Karibik!

Unser schönstes Erlebnis

Darauf gibt es keine einfache Antwort, deshalb variiert sie in Gesprächen auch immer wieder etwas. Wie das so ist mit Erinnerungen, sie werden mit der Zeit auch immer rosiger! Insgesamt sind wir sehr glücklich, dass wir diese Reise gemacht haben. Es war sehr anstrengend,  das vorzubereiten, und auch während des Törns selbst haben wir uns nicht wirklich "ausgeruht" - es gab immer etwas zu erledigen, etwas zu beschaffen oder auch zu erforschen.
Dazu eine treffende Definition - es gibt vier Sorten von Spaß:
  • Typ-1-Spaß: macht Spaß, während man es macht und macht auch Spaß, wenn man daran zurückdenkt. Schon eher der überwiegende Teil unserer Reise.
  • Typ-2-Spaß: macht keinen oder weniger Spaß, während man es macht, aber es macht reichlich Spaß, sich daran zu erinnern.
  • Typ-3-Spaß: ist keiner. Macht keinen Spaß, wenn man es macht und keiner denkt später gern daran. Die Parasailor-Aktion war so ein Ding.
  • Typ-4-Spaß: macht erst Spaß, später aber nicht mehr. Hatten wir nicht. Glücklicherweise, weil so etwas meistens eher unerfreulich ist.
Jedenfalls sind wir beide fest der Ansicht, dass das Überqueren von Ozeanen in einem Segelboot für uns definitiv zum Typ-2-Spaß zählt. Deswegen finden wir das inzwischen alles super und würden auch gern wieder losfahren. Direkt nach der Ankunft in Grenada stellte sich das ganze allerdings etwas anders dar....
Trotzdem kann man wohl einiges zu den "schönsten Erlebnissen" zählen: das tropische Vogelgezwitscher am allerersten Morgen nach der Ankunft in der Karibik. Das lange Wochenende im Paradies vor Barbuda. Die Indian River Touren und Wanderungen auf Dominica. Das Segler-Barbecue von PAYS in Portsmouth/Dominica. Die Tage mit unseren Gästen, über deren Besuch wir uns sehr gefreut haben. Der erste Spaziergang in Horta/Azoren mit dem sich heimisch anhörenden Vogelstimmen und der frischen Luft....

Wie ist das so auf dem Ozean?

Kurz gesagt, wie sonst auch beim Segeln, nur darf man nachts nicht durchschlafen. Und alles über 1000 Seemeilen zieht sich dann doch etwas... (Andersherum: als Blauwassersegler hat man irgendwann das Gefühl, dass alles unter 1000 Seemeilen irgendwie um die Ecke liegt.)

Ruhiger Segeltag irgendwo kurz vor Gibraltar
Ruhiger Segeltag irgendwo kurz vor Gibraltar
Kein Problem:
  • Seekrankheit (eine Eingewöhnungsphase von 1 - 2 Tagen muss man akzeptieren, aber danach no problem)
  • Nachtwachen bei kleiner Crew (sobald man eine sinnvolle Wacheinteilung gefunden hat)
  • Manöver zu zweit (immer gut vorbereiten!)
  • defektes elektronisches Windmessinstrument (der Verklicker tut's auch)
  • Langeweile auf dem Ozean (ein gut strukturierter Tagesablauf hilft)
  • allein sein in der dunklen Nacht (oft wird draußen ein wunderschöner Sternenhimmel geboten und es ist meistens sehr friedlich)
  • Vernünftiges Essen zubereiten (etwas Motivation vorausgesetzt)
  • wenig Platz auf dem Schiff (zu zweit auf einer 43-Fuß-Jacht ist wirklich reichlich Platz)
  • keinen Fisch mögen (man findet auch nach Wochen auf See immer noch Essbares in den Vorräten - Fische sind Freunde!)
  • lecker Sonntagsfrühstück (frische Scones nach Art des Skippers mit selbstgemachter Marmelade von Freunden machen gute Laune!)
  • Silkes Typ-1-Diabetes (Natürlich ging es manchmal etwas durcheinander mit dem Blutzucker - schließlich war die Ozeanüberquerung für den Körper schon eine Ausnahmesituation. Aber mit Hilfe der FreestyleLibre Sensoren war das alles recht gut zu steuern und vor allem war die Seetauglichkeit jederzeit sichergestellt.)
Problem:
  • defekter Autopilot bei Nachtfahrt
  • Kochen bei heftigem Seegang (weil man alles "seriell" machen muss)
  • Einschlafen, obwohl man todmüde ist (weil es immer lästige Geräusche im Schiff gibt und man sich bei Seegang erstmal "rollsicher" wegpacken muss)
  • keine frischen Brötchen weit und breit!
  • draußen am Heck duschen, wenn's zieht wie Hechtsuppe 

Gossip und Vermischtes

Worst Boat Names

Wir haben uns den Spass gemacht, unterwegs putzige oder uns abseitig erscheinende Bootsnamen aufzuschreiben. Hier kommt das "best of" (bzw. "worst"). Um das Ganze ausreichend genießen zu können, stellt Euch einfach vor, wie eines dieser Schiffe mit einem anderen aus der Liste funkt... (Für Nichtsegler: dazu muss das "anrufende" Boot den Namen des anderen dreimal hintereinander sagen, gefolgt vom eigenen Namen, diesen auch 2-3 mal. Das Ganze geht so lange, bis der andere antwortet (oder man keine Lust mehr hat).)
Die psychedelischen (hauptsächlich Franzosen):
  • Narcose
  • Nirwana
  • Panic Attack
Die martialischen (meist Boote unter amerikanischer Flagge):
  • Cannonball
  • Revenge
  • Best Revenge (immer einmal mehr wie du...!)
  • Peacemaker
  • The Dominator (wenn der jetzt "Boss" anfunkt...herrlich!!)
  • Boss
  • Area 51
Die Fraktion "Love is in the Air" (gern britisch geflaggt):
  • Vixen
  • Love Boat
  • The Owl and the Pussycat (note to self: niemals anfunken....!)
  • Driftin' Days
Die kulinarischen:
  • Vesper
  • Marinade
Last but not least - sonstige Merkwürdigkeiten:
  • Playlist
  • Vigilant
  • Remedy
  • Gwawr (ist walisisch, versteht aber garantiert im Funk kein Mensch)
...und ein Extra-Applaus für: "Microbe"!

Best Boat Names

Ja, die gab es auch - aber viele Bootsnamen passen schon ganz gut oder sehr gut. Aber herausragend oder besonders sinnig fanden wir:
  • Pandora
  • Snap Decision
  • Rocket Science
Alles, was wir zu diesen Namen assoziieren, trifft auch (im ironischen Sinn) auf unser Boot zu!

 

...weil's auf dem Atlantik für gute Laune gesorgt hat: "Panamana" (dub-duh-di-du-du....)

"Was hast du denn mitgebracht?!"

Jambo (unser Anker) hat beim Lichten des Ankers ab und zu mal versucht, etwas auf's Schiff zu apportieren:
  • ein genau Jambo-förmiger Stein, der sich auf dem Anker fest verkeilt hat (Bequia)
  • ein Lobsterkäfig (groß wie ein Karnickelstall) (Guadeloupe)
  • noch ein großer Stein (Antigua)
  • ein Reitgewicht (Betonzylinder mit Metallöse und Leine dran) (Sint Maarten)

Entropy als Teil des Ökosystems

  • kleine Fische verstecken sich unter dem Dinghy vor Räubern (how not to be seen)
  • Rochen mögen die auf dem Sandboden langschiebende Ankerkette (da bewegt sich was!) 
  • Fische interessieren sich für den eingegrabenen Anker (kleine Sandwölkchen)
  • Putzerfische nagen an dem Algengammel an der Wasserlinie (es gibt für alles eine ökologische Nische...)
  • Delfine haben unterwegs Spass mit dem großen weißen schwimmenden Riesenwal (oder für was auch immer die uns halten)
  • Seevögel lassen sich auch mal zur nächsten Insel mitnehmen (bestens angepasst)
  • Fliegende Fische und Tintenfische nutzen das Deck von Entropy als Landeplatz. In der Regel ihre Endstation.

Basteln am Schiff

Das ist vielleicht eher die Rubrik für Segler und Technikinteressierte.
Wichtigste Erkenntnis: irgendwas ist immer zu tun (und dabei ist es völlig egal, wie alt das Schiff ist). Und fertig ist man nie. Dabei muss man allerdings auch beachten, dass wir im zurückliegenden Jahr so viele Seemeilen hinter uns gebracht haben, wie sonst vielleicht in ein paar Jahren. Und das Boot ist immer in Bewegung und Meerwasser ist ziemlich korrosiv. Daher haben wir unseren Frieden mit diesem unliebsamen Nebenjob gemacht.

Reparaturen/Ausfälle/Probleme

Das ist quasi die Liste der "to do's", mit denen wir nicht (unbedingt) gerechnet hatten.
  • Parasailor defekt
    Aufgrund eines Bruchs des Spi-Falls wegen einer fehlenden Umlenkrolle am Mast.
  • Ausfall des Autopiloten
    Bolzen in der Verbindung zwischen Hydraulikzylinder und Ruderquadrant gebrochen, Reparatur durch Rigger/Hydraulikexperten.
  • Ausfall des Windmessgerätes (keine korrekte Windrichtungsinformation)
    Raymarine Windfahne (oben auf dem Mast) ausgefallen. Selbst ausgetauscht durch unterwegs (teuer) beschafftes Ersatzgerät.
  • Nächtlicher Ausfall der kompletten Navi-Elektronik
    Verkabelung des NMEA2000 Bordnetzes (Datenbus der Navi-Instrumente) unterwegs mit Bordmitteln repariert. Fehlerursache: Seewasser-Korrosion in einem NMEA2000 T-Stück
  • Ausfall der Navigationsbeleuchtung (rot/grün)
    Korrosion der Zuleitungen und Steckverbinder. Reparatur mit Bordmitteln unterwegs.
  • Ausfall der Ankerfernbedienung
    Korrosion der Steckverbinder aufgrund schlechter Dichtung im Stecker. Reparatur mit Bordmitteln vor Anker.
  • Leichtes Durchrutschen des Großfalls aufgrund einer verschlissenen Fallklemme
    Austausch des Einsatzes in der Klemme durch einen Rigger (Demontage des Klemmenblocks erforderlich)
  • Defekte Klampe am Mast
    Bei einer Wende hatte sich die Vorschot in der Klampe verfangen und die Klampe halb abgerissen. Reparatur durch Rigger.
  • Vorsegel-Rollreffanlage
    Sicherungsschraube an der Rollreffschiene war herausgefallen, Schiene rutschte aus der Rollreffanlage. Eigene Reparatur führte zu Folgeproblem:
  • Vorstag beschädigt
    Montagefehler (falsche Schraube genommen) führte zu einer Beschädigung des Vorstags, aus Sicherheitsgründen vor der Atlantik-Rückrunde das komplette Stag getauscht (Rigger).
  • Austausch der Reffleinen (Verschlissen nach ca. zwei Jahren bzw. 7000 sm)
  • Gangbarmachen der Notpinne
    Nachdem wir fassungslos festgestellt hatten, dass die Notpinne gar nicht auf die Ruderanlage passt (Werft)
  • Probleme mit der Wasserversorgung
    Die Wasserpumpe wurde vom Druckschalter in immer kürzeren Abständen aktiviert. Grund war der Ausgleichsbehälter in der Wasserversorgung, dessen Luftreservoir verbraucht war. Wir benutzten die an Bord befindliche Luftpumpe (eigentlich für die Fender angeschafft), um den Behälter mit Luft zu füllen.
  • Tür der Seitenkabine klemmte und ließ sich nicht mehr schließen
    Weil's echt genervt hat, Reparatur durch Tischler schon auf den Kanaren.
  • Schloss einer Schublade defekt, führte zu Schaden am Furnier
    Eigenreparatur mit Bordmitteln.
  • Reißverschluss am Bimini defekt (Qualitätsproblem/Dimensionierung des Reißverschlusses)
    Ausgetauscht durch Canvas-Dienstleister.
  • Kleinere Kratzer und Scharten im GFK am Heck
    Vermutlich durch diverse Boarding-Manöver mit dem Dinghy (Metallösen!) verursacht (Werft)

Wartungsarbeiten und normaler Verschleiß

Und hier kommen die Dinge, die eigentlich zur normalen Pflege und Instandhaltung gehören und die wir (mehr oder weniger) vorher schon eingeplant hatten.
  • Rumpf: ca. alle 2 - 4 Wochen Wasserlinie putzen (selbst)
  • Alle 6 - 8 Wochen Edelstahl putzen (selbst)
  • Reinigung Unterwasserschiff (Dienstleister)
  • Unterwasseranstrich/Antifouling (Werft)
  • Maschinenwartung (Werft)
  • Verschleiß der Großsegelpersenning und Lazy Jack Leinen (Segelmacher)
  • Winschenwartung (selbst)
  • Austausch des Rückschlagventils und der Dichtungen im Bord-WC (selbst)

Verbesserungen am Schiff

Und dann kommen noch Punkte, wo man gern investieren möchte...
  • 3. Reff für das Großsegel
    Hauptsächlich als Vorsichtsmaßnahme für die Atlantik-Rücktour gedacht. Das war dann doch eine größere Baustelle: wir brauchten einen Rigger und einen Segelmacher
  • Dinghy-Batterie-Tankstelle
    Idee: die beiden Batteriekoffer für den Dingy E-Motor als Batterie-Backup in das Bordnetz  einbinden zu können und eine bequeme Ladestation für die Koffer zu haben. (selbst)
  • Durchflussmesser für Diesel-Kraftstoff
    Wir können damit unseren Dieselverbrauch unter Maschine optimieren und wesentlich besser abschätzen, wie viele Seemeilen unter Motor mit dem Treibstoffvorrat noch möglich sind. (Werft)
  • Klettverschlüsse Solarzellen auf dem Bimini verlängert
    Wir haben uns Sorgen gemacht, dass sonst mal ein Solarpanel wegfliegen könnte. (Dienstleister)

Erfahrungen mit dem Schiff und der Ausrüstung

Pantry

Die üblichen blauen Camping-Gaz-Flaschen kann man zumindest auf der Atlantik-Runde erstaunlich gut ersetzen, zumindest auf den "europäischen" Inseln ist das kein Problem.
Wir sind etwas verblüfft, dass wir auf dem kompletten Törn nur insgesamt vier bis fünf Flaschenfüllungen (je 2,75 kg) brauchten. Und nein, wir sind nicht ständig essen gegangen!

Allerdings haben wir unser Kaffeewasser meistens mit dem elektrischen Kocher erhitzt und vor Anker gelegentlich eine kleine Induktions-Kochplatte benutzt. Das wäre ohne die Lithium-Batterien aber vermutlich nicht möglich gewesen.

Seemannschaft und nautische Ausrüstung

Rigg
Wir haben eine Menge über Rigg und Segel gelernt, insbesondere darüber, wie wichtig die korrekte Spannung der Wanten und Stagen ist. So hat eine zu geringe Wantenspannung vermutlich über die Zeit dazu geführt, dass unsere obere Saling einen kleinen Haarriss am Mastansatz bekommen hat. Da müssen wir noch mal investieren.
Unsere Konsequenz für die Zukunft:
Regelmäßig (ca. alle drei Monate und vor längeren Offshore-Schlägen) selbst die Wanten und Stagen prüfen und ggf. Wantenspannung korrigieren.
Auf ungewöhnliche Geräusche oder Bewegungen des Riggs oder des Mastes achten, das kann auf fehlerhafte Einstellung der Wantenspannung hindeuten.
Wetterinformationen
Auf der ersten Passage von Cambrils auf die Kanarischen Inseln waren wir im wesentlichen nur mit eher groben Wetterberichten ausgerüstet, die wir über Navtex und (an Land) per Internet bezogen. In Retrospektive war das deutlich zu wenig. Unser Navtex-Empfänger (eine WIB2D Wetterinfobox von Moerer) hatte oft Empfangsprobleme, und die Wetterberichte per Navtex sind uns aus unserer heutigen Sicht eigentlich nicht detailliert genug für längere Offshore-Passagen.
So segelten wir vor der nordafrikanischen Küste in ein größeres Schlechtwettergebiet, ohne  zu wissen, was uns da genau erwartet. War jetzt auch kein Riesenproblem, aber ein Gesamtblick auf die Wettersituation wäre sehr hilfreich gewesen.
Für die gesamte restliche Zeit (ab den Kanarischen Inseln im Oktober) hatten wir sehr detaillierte Wetterinformationen in Form von GRIB-Files und Wetter-Routing, die wir von dem Online-Service PredictWind bezogen. Dieser Wetter-Service kostet Geld (wir hatten das Standard-Paket für US$ 249 pro Jahr gebucht), ist aber aus unserer Sicht jeden Cent wert. Die Qualität der PredictWind-Wettervorhersage war gut bis sehr gut.
Auf der Hinfahrt (von den Kanaren bis in die Karibik) hatten wir sehr oft mit den bekannten Squalls zu kämpfen, die spontan entstehen können und so klein sind, dass sie in den Wettervorhersagen (auch in den GRIB-Files) nicht vorkommen - kein Fehler von PredictWind.
Die Wetterinformationen auf der nördlichen Route zurück nach Europa waren sehr genau - so genau, dass wir z. B. bei der Durchquerung des Tiefausläufers schon Stunden im Voraus Segelfläche und Segelstellung für die zu erwartende Windrichtungsdrehung vorbereiten konnten. Wer weiß, vielleicht hat uns das sogar Bruch erspart, wir haben auf den Azoren zwei Crews getroffen, die von Wetteränderungen auf dem Atlantik überrascht wurden und in Folge Schaden am Rigg hatten.
Das Wetter-Routing von PredictWind funktioniert ganz gut und gibt insbesondere in Situationen, bei denen der Wind nicht optimal weht, eine ganz gute Unterstützung bei der "taktischen Planung". 
Kommunikation
Für die Kommunikation mit Familie und Freunden sowie für den Download von Wetterinformationen hatten wir ein Iridium GO mit einer "Datenflatrate" an Bord. Das Gerät hat sich sehr bewährt, insbesondere auch weil PredictWind inzwischen hervorragend mit Iridium GO integriert ist. Der Download von Wetterdaten dauert damit zwar 10 - 20 Minuten, aber dafür konnten wir auf den Passagen so oft wir wollten (in der Regel zweimal am Tag) aktuelle Wetterdaten beziehen.
Medizinische Ausrüstung
Grundsätzlich ist zu sagen, dass uns echte medizinische Notfälle im eigentlichen Sinne erspart geblieben sind. Das ist auch gut so, weil bei zwei Leuten ein Verletzter auf See in jeder Hinsicht ein Problem ist. Er/sie ist bei Seegang von einem Laien nicht nur schwer zu versorgen, sondern fehlt auch bei der Schiffsführung. Daher muss man unbedingt alles daran setzen, Verletzungen zu vermeiden!
Für alles andere fanden wir das Buch "Medizin auf See" (Kohfahl) sehr hilfreich und gut strukturiert. Wir hatten sehr viel medizinische Ausrüstung und Medikamente an Bord, die wir bis auf ein paar einfache Fälle nicht benötigt haben. Aber daraus den Schluss zu ziehen, dass man das alles zukünftig zu Hause lassen könnte, wäre fahrlässig.

Nützliche Dinge (niemals mehr ohne!)

  • Genug Taschenlampen (wir haben uns unter anderem für zwei Fenix PD35 und eine ThruNite TN35 entschieden), inklusive mehrerer Stirnlampen
  • Ein Sortiment an Tauwerk-Schäkeln, teilweise mit eingespleißten Antal-Ringen, die Dinger sind teuer aber wahnsinnig praktisch
  • Spanngurte mit Kunststoffschnallen, genug Gurtbandösen und Edelstahl-Holzschrauben, um unterwegs noch Befestigungsmöglichkeiten schaffen zu können.
  • Winschbare Genua-Reffleine (Liros Taper Pro) in Kombination mit einer E-Winsch zum schnellen Vorsegel-Reffen
  • Camping-Falteimer (nicht, was Ihr denkt, sondern zum Abstellen von Marmeladengläsern und vollen Kaffeetassen beim Frühstück auf hoher See)
  • ultraleichte Drybags in verschiedenen Größen
  • Antirutschmatten auf dem Salontisch, der Pantry-Arbeitsfläche und am Navigationsplatz
  • kleiner elektrischer Wasserkocher
  • Meerwasser-Solardusche für die tägliche Dusche auf hoher See
  • Kabelbinder, Ducttape, Vinyl-Isolierband in größeren Mengen (Mc Gyver läßt grüßen!)
  • Doseneintopf für Schlechtwetter
  • WLAN-Antenne mit Router für's Schiff
  • Akku-Bohrschrauber
  • Gaslötkolben
  • wirklich gutes Werkzeug
  • Mess-Schieber (z. B. für Einstellung der Wantenspannung)
  • Ersatzteile-"Basics": Schrauben, Muttern, Splinte, elektrische Kleinteile wie verzinnte Leitung, Flachsteckverbinder etc.
  • Ersatzteile für die NMEA2000-Busverkabelung: T-Stück, Ersatzkabel
  • Anleitungen für alle technischen Geräte und möglichst viele technischen Komponenten an Bord (Beispiel: wir brauchten mitten auf dem Atlantik die Installationsanleitung für unsere defekten Navigationslampen, weil wir die Dinger sonst nicht zerstörungsfrei aus der Halterung bekommen hätten). Als PDF auf dem Bordrechner reicht bei den exotischeren Dingen.

und vieles, vieles mehr... Wir dachten, wir hätten zu viel Kram dabei, aber das meiste war tatsächlich nützlich.

Etwas ungewöhnliche Ausrüstung, wurde aber tatsächlich gebraucht:

  • Drehmomentschlüssel
  • Akku-Schlagschrauber

Was hat uns gefehlt (wurde nachbeschafft bzw. würden wir das nächste Mal unbedingt mitnehmen)

  • Reparatur-Satz für die Bordtoilette (besser sogar: komplette Pumpe als Austauschteil, nicht viel teurer und viel schneller installiert)

Und wie geht's weiter?

Eigentlich wollten wir das Schiff nach dem Jahr mit der Atlantikrunde wieder verkaufen - dachten wir zumindest irgendwann mal. Nach allem, was wir Schönes mit Entropy erlebt haben und wieviel Arbeit und Geld wir investiert haben, bringen wir das jedoch nicht über's Herz. Also werden wir uns über den Winter mit Revierinformationen zur Biskaya, Nordspanien, der Bretagne und Portugal eindecken und schauen, wie viel Schiffszeit wir dem Arbeitsleben abringen können. Die Reise geht also weiter, auch wenn es bei uns für's Erste geruhsamer laufen wird.

 

Nun verbringen wir aber erstmal einen hoffentlich gemütlichen Herbst und Winter als Landratten und freuen uns auf die nächste Segelsaison!


Vorheriger Artikel: Winterlager in A Coruña


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Winterlager in A Coruña

Fiesta!

Auch in A Coruña ist bei unserer Ankunft Fiesta - nach den vielen Festen auf den Azoren sind wir das fast schon gewohnt. Wir wären vielleicht sogar enttäuscht gewesen, wenn nicht...!

In der Altstadt findet so etwas wie ein mittelalterlicher Markt statt, es gibt überall die unvermeidlichen Essensstände mit sehr rustikalen und sehenswerten Speisen, aber auch einige folkloristische Darbietungen, die das Thema des Festes aufgreifen. 

Unsere neue Basis

Erstmal gönnen wir uns eher ruhige Tage, um anzukommen und so langsam vom Fahrtensegler- wieder in den Landrattenmodus zu wechseln.

Die Marina Coruña bietet dafür beste Bedingungen: das Personal ist nett, die Schwimmstege und die sanitären Anlagen sind in Ordnung, es gibt kaum Schwell am Liegeplatz und wir liegen insgesamt sehr ruhig. Alle paar Tage kommt ein Neuankömmling an unserem Steg längsseits. Wie so oft zeigt sich auch hier, dass man unter Seglern meist schnell ins Gespräch kommt, oft ergibt sich ein nettes Kennenlernen und manchmal auch ein kleines Treffen zu ein paar Knabbereien und einem Getränk.

Da A Coruña ein Durchgangshafen vom Norden Europas Richtung Mittelmeer oder Kanaren ist, treffen wir hier viele Segler, die gerade am Anfang ihrer Atlantik-Tour oder gar Weltumsegelung stehen. Unsere Erfahrung als "alte Hasen" wird tatsächlich geschätzt und wir werden oft nach unseren Erfahrungen gefragt. 

Eindrücke aus A Coruña

Dann und wann laufen wir von der Marina ins Stadtzentrum und genießen die Großzügigkeit, mit der in A Coruña die Straßen und Plätze gestaltet sind. Coruña hatte früher eher industriellen Charakter, wurde aber in den letzten Jahrzehnten sehr verschönert und hat auch noch einen intakten mittelalterlichen Altstadtkern. So findet man nun eine sehr lebendige und authentische Großstadt, die zwar auch von Touristen gern besucht wird, wo aber das normale Leben die Grundstimmung ausmacht. 

Da haben wir doch noch eine große Antille auf der Reise gesehen!
Da haben wir doch noch eine große Antille auf der Reise gesehen!

Ungeplanter Abstecher nach Deutschland

Kühlschrank und Vorratsschränke haben noch reichlich Vorräte, die es natürlich möglichst zu dezimieren gilt, bevor wir das Boot für längere Zeit allein lassen. So leben wir in der Marina Coruña oft eher günstig bei Hausmannskost an Bord. Nebenher räumen wir das Boot auf, erledigen dies und jenes, machen gründlich sauber.

 

Während wir entspannt vor uns hinarbeiten, erfahren wir von einem dringenden Notfall in der Familie. Schnell ist klar: wir müssen da sofort hin! Wir buchen die allerletzten Plätze im Flieger, lassen alles stehen und liegen und fliegen tags darauf nach Deutschland, um uns darum zu kümmern. An dieser Stelle noch mal lieben Dank an Margitta und Erik, die uns (wieder einmal) kurzfristig Unterschlupf gewährt haben - es war wirklich schön, Euch und die Kinder wiederzusehen!

Trotzdem ist es für uns ein schwieriger Spagat: wir werden da gebraucht, aber wir wissen auch, dass wir unbedingt noch einmal zurück zum Boot müssen, weil wir es so nicht lange liegen lassen können. Als eine Woche später feststeht, dass die akute Notlage vorbei ist, entscheiden wir uns, umgehend zurückzufliegen: noch können wir unsere vereinbarten Termine rund um die Überwinterung des Bootes halten.

Der Rückflug nach Spanien gerät zur Odyssee, unser Zubringer-Flug hat Verspätung, und Swiss kann deshalb den Anschlussflug nicht halten. Wir werden umgebucht mit einem Zwischenhalt in München statt in Zürich. Da am gleichen Tag kein Flug mehr geht, müssen wir dort übernachten. Immerhin etwas Gutes hat das ganze: am Abend treffen wir uns spontan mit Tanja und Oli in einem bayerischen Landgasthof un der Nähe vom Flughafen.

Vorbereitung auf das Winterlager

Als wir gut eine Woche nach unserer überhasteten Abreise wieder am Boot ankommen, geht der Stress erst richtig los. Der Notfall hat unseren ehemals komfortablen Zeitpuffer vor dem Krantermin drastisch schrumpfen lassen. In den nächsten Tagen arbeiten wir gut 10 Stunden täglich, um alles rechtzeitig fertigzubekommen.

Wir packen zwei wirklich große und schwere Pakete (15 und 20 kg) mit persönlichen Dingen und nicht mehr benötigter Ausrüstung, die wir nicht als Gepäck auf die Rückreise mitnehmen können, und schicken diese nach Absprache an unsere Nachbarn Brigitte und Dieter. Danke noch einmal an Euch für Eure Unterstützung während des Jahres!

Am Ende sind wir ziemlich k.o., können aber die lange vereinbarten Termine beim Segelmacher und für den Kran einhalten.

Wir schlagen Genua, Großsegel, Persenning und Lazy Jacks ab, demontieren das Bimini und lassen alles beim Segelmacher, der über den Winter ein paar kleinere Reparaturen durchführen soll.

Krantermin mit Hindernissen - oder: wie dreist kann man sein?

Hier am Atlantik wird das Zeitfenster für Krantermine durch die Tide bestimmt: wir sind am Mittwoch, 16. August um 10:30 Uhr und damit 90 Minuten vor Hochwasser dran. Mit reichlich Vorlaufzeit haben wir das Schiff bereit für das kleine Manöver. Es ist windstill, perfekte Bedingungen.

Die netten Marineros von der Marina Seca sagen uns gegen 9 Uhr, dass wir noch etwas warten und später um 10:30 einfach in den bereitstehenden Kran hereinfahren sollen. Alles kein Problem...

Oder doch? Kurz vor 10 Uhr beobachten wir leicht verwirrt, wie ein Segelboot von außen in die Marina fährt und zielgenau an uns vorbei direkt in die Krananlage steuert. Sicherheitshalber geht Martin zum Kran und fragt den Kranführer nach unserem Termin um 10:30. Der schaut ebenso verwirrt wie wir auf das Boot in seinem Kran (das zu unserem Glück noch im Wasser liegt).

Eine Diskussion mit seinem Chef ergibt, dass die britische Yacht in seinem Kran da nicht hingehört. Der Skipper behauptet zwar, einen Termin um 9 Uhr gehabt zu haben, davon weiß aber hier niemand etwas.

Glücklicherweise gibt es für uns keinen Grund, uns aufzuregen: der Dockmaster macht dem britischen Skipper klar, dass er jetzt nicht dran kommt und dass er uns bitte Platz machen soll. Der wiederum beklagt sich, dass er seinen Flug um 17 Uhr (am gleichen Tag wie sein Kran-Termin?) nicht bekommen wird und zieht hinter unserem Rücken ziemlich über uns her. Egal, wir haben keine Lust, uns veralbern zu lassen und haben unsererseits auch einen recht eng gestrickten Terminplan. Es passt leider ins Bild, mit britischen Seglern passierten uns ähnliche Dinge leider schon ab und an auf unserer Reise. Finden wir schade, weil es andererseits auch viele sehr freundliche und hilfsbereite Briten gibt. 

Pünktlich um 10:29 Uhr manövrieren wir in die für unser breites Heck ziemlich enge Kran-Box, kurz darauf baumelt Entropy einmal wieder im Kran und wird postwendend über den Parkplatz zu ihrem Winter-Stellplatz gefahren.

Als letzte Amtshandlung säubern wir noch einmal die Wasserlinie von Algen und kleinerem Meeresgetier, pulen kleine Schnecken aus Borddurchlässen, putzen mal die Fender und pilgern einige Male zu den Müllcontainern. Nun wird es Zeit, für dieses Jahr Abschied zu nehmen: wir werfen Entropy noch einen letzten Blick hinterher und verziehen uns mit etwas Wehmut in unser Hotel.

 

Am nächsten Tag verlassen wir A Coruña. Für die nächsten zwei Wochen haben wir ein Auto gemietet und wollen uns auf einer Art Road Trip durch Nordspanien bis nach Barcelona hangeln, wo wir am 31.08. in unseren Flieger nach Deutschland steigen werden.

Für dieses Jahr reicht es, nächste Saison geht's weiter für Entropy
Für dieses Jahr reicht es, nächste Saison geht's weiter für Entropy

Angekommen!

Gestern gegen 16:30 Uhr sind wir in der neuen Marina von A Coruña angekommen. Nach 9261 Seemeilen seit unserem Aufbruch in Cambrils im letzten Sommer hat Entropy jetzt ihr Winterlager erreicht und zumindest der nautische Teil unserer einjährigen Reise liegt nun hinter uns.

Wir sind überglücklich, das ganze Jahr hat einfach super geklappt! Crew und Boot haben die Tour gut überstanden: keine Erkrankungen (bis auf einen Schnupfen) und kein Kratzer am Boot. Nur unsere Nationale hat die Überfahrt nicht gut überstanden und hängt in Fetzen am Heck - wird natürlich schnellstens ausgetauscht!

 

Bei sieben Tagen Fahrtzeit hatten wir eine doch insgesamt angenehm ereignislose Überfahrt von den Azoren.

Nachdem uns die obligaten Azoren-Delfine nett verabschiedet hatten, mussten wir erst mangels Wind noch einen Tag unter Motor fahren, dann ging es dann mit passablem Wind aus Nord gut voran.

 

In den letzten zwei Tagen hat unangenehmes Wetter mit Nieselregen, grauem Himmel, häufig wechselnden Windstärken (zwischen 12 und 23 kn) und unbequemer Welle das Vorankommen für uns etwas anstrengender gemacht. Aber so ist das nun mal, da muss man durch!

 

Vor der Ausfahrt des Verkehrstrennungsgebietes ging es etwas hektisch zu (man beachte auch die nachtschlafene Uhrzeit). Wir sind das kleine, weiß ausgefüllte Schiffssymbol mittendrin!
Vor der Ausfahrt des Verkehrstrennungsgebietes ging es etwas hektisch zu (man beachte auch die nachtschlafene Uhrzeit). Wir sind das kleine, weiß ausgefüllte Schiffssymbol mittendrin!

Querab von Cap Finisterre an der spanischen Nordwestküste gibt es ein Verkehrstrennungsgebiet. Unser Kurs sah vor, dieses nicht direkt zu durchkreuzen, sondern nördlich davon quer zu fahren. Aber auch das erforderte einige Nerven.

Tanker und Frachtschiffe kreuzten nachts in ziemlich geringem Abstand unseren Kurs, teilweise mit einer Entfernung von weniger als einer Seemeile.

Nicht nur einmal erkundigten wir uns freundlich per Funk, ob unser Gegenpart uns denn auf den Instrumenten sehen würde... man will sich ja auch nicht kommentarlos über den Haufen fahren lassen!

 

Bei der Einfahrt in die Bucht von A Coruña durften wir uns dann noch über ein kleines Empfangskomitee spanischer Delfine freuen. ¡Muchas gracias!


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Twitter-Posts von der Überfahrt von São Miguel nach Nordspanien

 


São Miguel (05.07. - 18.07.2017)

Ponta Delgada

Die 90 Seemeilen lange Überfahrt nach Ponta Delgada geht flott, fast zu schnell voran. Nach einem Blick auf die voraussichtliche Ankunftszeit reffen wir abends die Segel, um nicht schon vor dem Morgengrauen anzukommen. Entspannt kommen wir dann nach einer ruhigen Nacht am Vormittag in Ponta Delgada an. Unsere Sorgen, der Hafen in Ponta Delgada könnte wie auf Terceira überfüllt sein, erweisen sich als völlig unbegründet. Der freundliche Hafenmeister hat fast einen kompletten Steg frei, es ist wenig Wind und wir können uns die Box nach belieben selbst aussuchen. Wenig später liegt Entropy nach einem tiefenentspannten Hafenmanöver sicher vertäut und wir können die Infrastruktur der Marina checken und uns die Stadt ansehen.

Ponta Delgada ist der größte Ort der Insel und gleichzeitig die Hauptstadt der Azoren. Entsprechend viel ist los, auch hier wird gern Party gemacht - am Wochenende ist das Heiliggeistfest mit Paraden und Kind und Kegel sind auf der Straße. Außerdem gibt es ein reiches Kulturprogramm. Auf verschiedenen Plätzen sind Bühnen aufgebaut, auf denen abends Live-Musik diverser Genres gespielt wird. Es gibt hier deutlich mehr Touristen als auf Terceira oder gar Faial, obwohl sich der Andrang verglichen mit den "klassischen Feriendestinationen" noch sehr im Rahmen hält. Uns gefällt es trotzdem gut, auch wenn das Auffinden eines Bäckers schwierig bis unmöglich ist. Man kauft sein Brot im Supermarkt, der aber erst um 8:30 Uhr morgens aufmacht. Wir verschieben unseren Biorhythmus mal wieder ein bisschen nach hinten - ist ja sowieso abends sehr lange hell.

Viele interessante Restaurants sind so gut besucht, dass eine Reservierung schon Tage vorher nötig ist, um einen Tisch zu bekommen.

Und leider erweist sich das von der Marina angepriesene öffentliche Wifi als völlig unbrauchbar, auch die meisten Netze in Cafes oder Restaurants sind unglaublich langsam. Die Konsequenz ist, dass wir hier das neu geregelte EU-Roaming voll nutzen und die Datenrate unseres eigenen Telefons strapazieren müssen. Aber immerhin geht's!

Auch hier sehen wir wieder die schönen Pflasterarbeiten, die überall die Bürgersteige verzieren. Jede Straße trägt ein anderes Muster.

Ein samstäglicher Spontaneinkauf beim nächsten Supermarkt dauert länger als geplant: während Martin die drei fehlenden Teile an der Kasse zahlt, beginnt auf der Straße zwischen Marina und Supermarkt ein Umzug mit geschmückten Ochsenkarren - das Heiliggeistfest beginnt! Die Straße ist plötzlich abgesperrt, eine Überquerung für Passanten offenbar nicht vorgesehen. Mit etwas Selbstbewusstsein gelingt der Heimweg trotzdem. 

Die ganze Woche lang finden vor dem Musik-Kollegium abendlich Freiluftkonzerte statt. Wir nutzen das Angebot gern und sind überrascht, nur je einen Euro (für den Stuhl) zahlen zu müssen.

Das dargebotene Programm ist schon etwas speziell. Nach dem Auftakt mit der "Carmina Burana" folgt Symphony No. 1 "And the Earth Trembled" Steven Reineke. Danach ein Scorpions Medley, selbstverständlich inklusive des unvermeidlichen "Wind of Change", allen Ernstes gefolgt von Wagners "Walküre"! Garniert wird das dann noch durch Orchester-Interpretationen aktueller portugiesischer Schlager.

Blick vom Steg auf die Promenade
Blick vom Steg auf die Promenade

Überall in der Stadt verteilt finden sich interessante Graffitis an der Wand. Auf den Azoren gibt es einige Künstler, die sich darauf spezialisiert haben, die öffentlichen Wände durchaus mit Niveau zu verschönern. Wir freuen uns, an verschiedenen Stellen der Stadt immer wieder interessante Bilder zu entdecken.

Ponta Delgada ist bekannt für seine vielen Grünflächen, wir entspannen uns bei einem kleinen Spaziergang durch den Parque Antonio Borges und genießen die Ruhe dort.

Wanderung zum Janela do Inferno

Wir nutzen den Mietwagen für Tagestouren und Wanderungen. Eine kleine Wanderung zu einem Wasserfall beginnt unspektakulär auf Kuhwiesen und staubigen Pisten. Später müssen wir sogar durch mehrere Tunnel gehen und einige mit Pflanzen überwachsene Aquädukte überqueren. Der Weg ist sehr nett angelegt und zum Ende hin sehr abwechslungsreich.

Wanderung Rocha da Relva

Ein nettes Kontrastprogramm dazu ist eine Küstenwanderung zu dem winzigen Küstenort Rocha da Relva, bei dem man auf einen steilen Eselpfad an der Felsküste herabsteigt. Rocha da Relva gehört zu dem Ort Relva, der oberhalb liegt und ganz normal via Landstraße erreicht werden kann. Wir fragen uns jedoch, wie die Bewohner zu diesem abgelegenen Fleckchen unten an der Küste kommen, es ist durchaus ziemlich anstrengend! Vermutlich tatsächlich mit ihrem Esel - einige sind auf kleinen Grasflecken am Wegesrand und neben einer Pforte liegt ein Eselsattel. 

Inselrundfahrt

Wir nutzen den Mietwagen, um auch die Standard-Touristensehenswürdigkeiten abzuklappern. Beim zweiten Besuch gelingt auch ein halbwegs anständiges Foto von den beiden Seen Lago Azul und Lago Verde, den "must-sees" der Insel. Der kleiner See im Vordergrund ist tatsächlich aufgrund von Algen von sattgrüner Farbe, während der größere See im Hintergrund noch größtenteils blau ist. Beide bilden den Grund einer sehr großen Caldera vulkanischen Ursprungs.

Beeindruckend sind auch die kochenden Pools bei Furnas, die durch vulkanische Aktivität vor sich hin brodeln. Vulkanismus ist ein allgegenwärtiges Thema auf den Azoren: es riecht auch hier wieder unangenehm nach Schwefelverbindungen.

Ein letztes Mal ruft die See...

Nach einem Monat auf den Azoren zieht es uns weiter. Wir haben uns für A Coruna in Galizien (Nordspanien) als Zielort und Winterliegeplatz für das Schiff entschieden. Da dort noch einiges geregelt werden muss, raffen wir uns nun auf und werden am 18. Juli auslaufen. Noch einmal liegt ungefähr eine Woche auf dem Atlantik vor uns!


Ein kleines Hafenrätsel

Wir sind nun schon eine Woche auf Sao Miguel und liegen in der größten Marina der Azoren in Ponta Delgada. Nachdem wir die ersten paar Tage ein wenig die Stadt angesehen, klar Schiff gemacht und abgechillt haben, ist uns was aufgefallen...

Zwischen den Holzbohlen der Schwimmstege in der Marina sind ganz viele kleine Knochen eingeklemmt. Sobald einem bewusst wird, dass die ganzen kleinen weißen Dinger in den Ritzen keine Steine sind, stellen sich erstmal die Nackenhaare auf. Da wir hier noch keine Ratte oder Maus gesehen haben, würden wir auf kleine Vögel tippen. Jedoch sieht man hier nie einen toten Vogel herumliegen, das wäre ja auch gruselig. Wie also kommen all die Knöchelchen dahin?

Über sachdienliche Hinweise würden wir uns freuen, bis dahin verweisen wir auf die Indizien - siehe Fotos!


Terceira (26.06. - 04.07.2017)

Unser Steg in der Marina Angra do Heroismo
Unser Steg in der Marina Angra do Heroismo

Da wir in Horta sowieso die Nachbarschaft aus dem Päckchen lassen müssen, nutzen wir die Gelegenheit und verlegen uns 20 sm nach São Jorge, um das Wochenende faul vor Anker in der Bucht von Velas zu verbringen. Auf der Überfahrt sehen wir endlich mal Wale, schließlich sind die Azoren dafür berühmt! Später stellt sich heraus, dass es Grindwale waren.
Nach mehreren Tagen Flaute ist guter Wind angesagt, am Montagmorgen rollen wir uns daher gut ausgeruht um 6 Uhr aus dem Bett, haben eine Viertelstunde später den Anker oben und nehmen Kurs auf Terceira. Unterwegs stellen wir bald fest, das nicht nur wir den Wind nutzen wollen, um die 50 sm zur nächsten Azore unter Segeln zurücklegen zu können. Eine Armada von fünf Schiffen folgt uns, aber da wir zuerst aufgestanden sind und der Halbwindkurs auf der zweiten Hälfte der Strecke Entropy sehr liegt, sind wir mit einer guten Stunde Vorsprung zuerst am Rezeptionskai in Angra do Heroismo.

 

Wie sich dann herausstellt, hatte Morgenstund hier wirklich Vorteile, wir bekommen nämlich den allerletzten Liegeplatz!

Einmal wieder: Johannisfest

Die totale Hafenüberfüllung erklärt sich hier in Angra mit "Sanjoaninas", der 10-tägigen (!) Feier des Johannisfestes (São João).

 

Erinnerungen an den letzten Sommer in Cambrils werden wach, als wir die Feier von San Juan auch eher zufällig direkt vor dem Hafen serviert bekamen. Die Azoreaner sind aber deutlich ausdauernder als die Katalanen.

Die Rua Direta in Angra während des Johannisfests
Die Rua Direta in Angra während des Johannisfests

 

 

Wir liegen direkt querab der Partymeile, was uns zwar keinen guten Nachtschlaf, aber jede Menge Unterhaltung und Freßbuden in fußläufiger Entfernung bietet.

Die Straßen sind picobello sauber und geschmückt, jeden Abend um Punkt 21 Uhr wird unter Beifall der Menge die nett gestaltete Straßenbeleuchtung angeschaltet.

Für die Kinder gibt es nicht nur eine, sondern eine ganze Straße voller Hüpfburgen, die Eltern gönnen sich derweil ein Bier von einer der mobilen Bierzapfstellen (Mann mit Bierfass auf dem Rücken) oder eine Caipirinha vom Ein-Mann-Caipi-Stand (seine Caipirinha für 3 EUR war übrigens wirklich gut!) in der Menge.

Die prachtvolle Straßenbeleuchtung zur blauen Stunde
Die prachtvolle Straßenbeleuchtung zur blauen Stunde

Das Programm ist sehr vielfältig, jeden Tag gibt es andere Veranstaltungen. Folkloregruppen zeigen Musik und Tanz, Heimatvereine führen traditionelle Arbeiten wie Mehlherstellung und Brotbacken vor. Man merkt, dass die Menschen stolz auf ihre Geschichte und ihre Kultur sind. Eine Gruppe in der Menge stellt spontan ihre Getränke auf den Boden und beginnt, ihre traditionellen Lieder zu singen - beeindruckend gut!

Angra do Heroismo

Angra do Heroismo ist die Hauptstadt von Terceira und hat eine sehr große Altstadt im Renaissance-Stil. Die Stadt wurde in den 80er Jahren durch ein Erdbeben stark zerstört, man hat jedoch alles originalgetreu wieder aufgebaut. So besitzt die Stadt heute den Status eines Weltkulturerbes und ist ein wunderbarer Ort zum Bummeln.

In dem im 19. Jahrhundert angelegte Botanische Garten Jardim Duque wachsen viele endemische und auch exotische Pflanzen. Die wunderbare, parkartige Anlage lädt zu einem ausgedehnten Spaziergang hoch zum Denkmal Alto da Memoriá mit Aussicht über den ganzen Ort ein.

Jardim Duque
Jardim Duque

Desweiteren ist Angra schon lange Bischofssitz und hat deshalb auch eine recht beeindruckende Kathedrale in der Ortsmitte. Wie auch schon in Horta ist es hier sehr sauber und die Preise sind äußerst günstig. Gemeinsam mit einer sehr freundlichen Atmosphäre ein echter Wohlfühlort!

Nachdem wir des allgegenwärtigen Sanjoaninas-Festes ein wenig überdrüssig geworden sind (10 Tage Stadtfest am Stück - und die Feier geht laut Hafenmeister am folgenden Wochenende auf der Nachbarinsel weiter!), mieten wir uns für vier Tage ein Auto und schauen uns mal den Rest der Insel an.

Zuerst steht eine kleine Orientierungsrundfahrt an, wir bewundern hübsche Dörfer und bummeln mittags durch Praia da Vitoria, der anderen größeren Stadt Terceiras. Anschließend geht es ohne großes Ziel auf Entdeckungsfahrt über die Insel.

Höhle "Algar do Carvao"

Der Nachmittag ist dann der Besichtigung zweier Höhlen vorbehalten. Die Algar do Carvao hat einen tiefgehenden Spalt, durch den wie durch einen Trichter Tageslicht einfällt und an dessen Seitenwänden Farne und Moose herabhängen.

Kondensierende Feuchtigkeit im kühlen Inneren der Höhle sorgt für ein stetiges Tröpfeln, das irgendwann den Griff zur Kapuze nötig macht. Tiefer in der Höhle sieht man einen kleinen See mit verschiedenfarbigen Gesteinsschichten und weiter oben Stalagtiten. 

Höhle "Gruta do Natal"

Motiviert durch das Kombiticket geht es anschließend weiter zur Gruta do Natal, der Weihnachtsgrotte. Sie hat ihren Namen daher, dass sie an einem Weihnachtstag mit einer Messe feierlich für Besucher eröffnet wurde. Hier muss man einen Helm aufsetzen, um Einlass zu bekommen, die Gefahr, sich sonst den Kopf zu stoßen ist recht hoch.

Wie bei der Höhle zuvor darf man dann eigenständig los und die gut markierten Wege in der Höhle erkunden. Es gibt vielerlei Arten Lava zu sehen; man bekommt das Gefühl, sich mitten durch einen erstarrten Lavafluß zu bewegen.

Einige Bereiche kann man nur kriechend erreichen, Hinweisschilder weisen darauf hin, dass das nur abenteuerlustige Besucher machen sollten...

Altar in der Mitte der Weihnachtsgrotte
Altar in der Mitte der Weihnachtsgrotte

Pico de Santa Barbara

Eine kleine Wanderung auf dem Pico de Santa Barbara scheitert daran, dass der Gipfel komplett in Wolken liegt. (Wir fühlen uns an eine frühe Irland-Tour erinnert, als wir damals im dichtesten Nebel mit dem Auto den Ring of Kerry entlang gefahren sind, ohne auch nur einmal mehr als 50 m Sichtweite gehabt zu haben. Soll aber sehr schön da sein...)

Mit den Jahren gewinnt man Erfahrung, wir stornieren die Wanderung und machen stattdessen ein paar gruftige Schwarzweißfotos von den Richtfunkanlagen dort.

Misterios Negros

Der Wanderweg zu den Misterios Negros führt durch Hochmoor und unter Baumheide hinweg
Der Wanderweg zu den Misterios Negros führt durch Hochmoor und unter Baumheide hinweg

Am Folgetag fahren wir wieder zur Weihnachtsgrotte, bleiben diesmal aber über der Erde. Querab beginnt ein gut markierter Rundweg durch die "Misterios Negros". Der Weg ist sehr abwechslungsreich und führt zu Beginn durch einen Feuchtwald, der irgendwann in eine Art Hochmoor übergeht. Unter Baumheide hindurch geht es langsam aufwärts und der Weg wird schwieriger. Nun müssen wir über größere Lavabrocken kraxeln und freuen uns immer wieder über robuste Äste oder Wurzeln zum festhalten. 

Die Belohnung kommt in Form einer sehr schönen Aussicht auf die schwarzen Lavahügel der Misterios Negros und weiter bis zur Küste. Der Abstieg ist leichter und wir dürfen am Ende entspannt an Hortensienhecken vorbei und über Kuhweiden laufen. Manchmal sieht es aus wie auf der Alm! 

Blick vom Gipfel der Misterios
Blick vom Gipfel der Misterios

Lagoinha

Eine weitere Wanderung führt uns am Sonntag zur Lagoinha, einem hoch auf dem Berg gelegenen Kratersee. Auch hier führt der gut markierte Weg durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft und der letzte Aufstieg zum Kratersee ist durchaus anspruchsvoll. Endlich mal wieder ein wohlverdienter Muskelkater!

Kratersee Lagoinha
Kratersee Lagoinha

Furnas do Enxofre

Ein kleiner Abstecher bringt uns zu einem geologisch interessanten Ort, wo vulkanische Gase sich durch Fumerolen den Weg an die Oberfläche bahnen. Es riecht nach Schwefelwasserstoff und die Vegetation nimmt die Attacke korrosiver Gase teilweise sichtbar übel.

Und weiter gehts...

Nachdem wir noch einen Tag in Angra entspannt haben, stellen wir Dienstagmorgen mit Blick auf's Wetter fest, dass es Zeit ist zum Aufbruch. Deshalb kaufen wir noch schnell ein, füllen den Wassertank auf und gönnen uns ein üppiges Mittagessen in der Hafenkneipe, bevor wir nachmittags zum Übernachtschlag nach Sao Miguel aufbrechen.

Wir hatten schöne Tage auf Terceira und können die Insel für Naturliebhaber sehr empfehlen!