Twitter-Posts von der Rückfahrt über den Atlantik

Hier die letzten Twitter-Posts, während der Überfahrt werden wir wie gehabt regelmäßige Updates per Twitter senden.

Farewell Karibik!

Unser Gäste-Steg in der Bas du Fort Marina
Unser Gäste-Steg in der Bas du Fort Marina

Nach fast sechs Monaten heißt es nun, Abschied zu nehmen von den kleinen Antillen. Wir haben viel gesehen, eine Menge interessante und freundliche Menschen kennengelernt, schöne und weniger schöne Segeltage gehabt und nun wird es Zeit, aufzubrechen.

Die Hurrican-Saison rückt näher, das Wetter wird zunehmend schwüler und unbeständiger und die Segelsaison ist hier zu Ende. Nach 9 Tagen im Hafen (Marina Bas du Fort in Pointe a Pitre, Guadeloupe) haben wir Hafenkoller und es zieht uns wieder aufs Meer. So langsam scheint uns die heimische Tierwelt als Immobilien aufzufassen: heute morgen haben schon eine kleine Spinne und ein Vogel den Salon geentert! 

Zwischenzeitlich waren wir sehr fleißig und Entropy ist für die zweite Ozeanüberquerung gut gerüstet. Wir haben: die Winschen gewartet, ein Relais getauscht, einen Riggcheck mit zwei kleineren Reparaturen machen lassen, den Kühlschrank abgetaut, das ganze Boot innen und außen geschrubbt, letzte Mitbringsel besorgt, Großeinkauf gemacht, Treibstoffkanister gefüllt, Wassertanks und Reserven gefüllt, uns endlich mal die Haare schneiden lassen, Silicagelbeutelchen erneuert, Wäsche gemacht, das Vorsegel ab- und wieder angeschlagen, eine Reffleine verlängern und last but not least das Internet ausführlich genutzt. Nun langt's und wir wollen raus!

Entgegen unserer Planung haben wir uns mittlerweile entschieden, Bermuda links liegen zu lassen. Wir wollten dort hauptsächlich ein paarmal ausschlafen, Diesel und Wasser nachtanken und frische Lebensmittel holen. Und dann zügig weiterfahren. Nun ist es jedoch so, dass Bermuda nicht nur extrem teuer ist, sondern auch die maritime Bürokratie dort ungeahnte Aufstände macht. Das ganze wird noch dadurch verschärft, dass Bermuda dieses Jahr den America's Cup ausrichtet und die Vorausscheidungen in Kürze anfangen. Damit wird es noch voller werden als normal. Kurzum, wir haben keine Lust auf den Stress und werden deshalb direkt auf die Azoren fahren. Und zwar heute!

Wie bei der Hinreise kann man uns via Iridium (bevorzugt Kurzmitteilungen) erreichen, wir freuen uns immer über News aus der Heimat!

Auf dem Blog werden wir wieder die Twittermeldungen "von unterwegs" publizieren und wie gehabt gibt's natürlich jeden Tag kurz nach 12 Uhr UTC (14 Uhr MESZ) die aktuelle Position und das Etmal (gefahrene Strecke der letzten 24 Stunden) von Entropy. 

Wir freuen uns sehr auf die Azoren und starten nun bei guter Wettervorhersage gut motiviert in die zweite Ozeanüberquerung!

Wetter sieht gut aus...

Aktuelles Wetter auf unserer Route. Sieht gut aus.
Aktuelles Wetter auf unserer Route. Sieht gut aus.

Das ist ein Bildschirmfoto unseres aktuellen Wetterberichts. So ähnlich sieht das auch in den nächsten Tagen aus, wir wollen vom grünen zum roten Pömpel fahren. (Gebogen ist die Verbindung zwischen den beiden Punkten übrigens, weil das die Großkreisroute ist, die die tatsächlich kürzeste Verbindung auf einer Kugel liefert.)

Wir können (und wollen) natürlich nicht direkt fahren, sondern zunächst eher nördlich segeln, bis wir aus der Flautenzone (blau) kommen und dann Westkurs anlegen.

Eine Extrarunde nach Dominica (04.05. - 15.05.2017)

Am Donnerstag können wir wie verabredet Franzi und Julius am Flughafen in Empfang nehmen. Wir staunen über die sensationell kleine Gepäckmenge, in die sogar noch unsere "Bestellungen" gepaßt haben. Den Vogel schießen die beiden aber damit ab, dass sie irgendwoher noch zwei Flaschen halbwegs gekühlten Frankfurter Ebbelwei hervorzaubern! Den hatten wir schon vermißt und er hat herrlich geschmeckt!
Auch wenn man sich im Hafen immer über Duschen, Bäcker, Supermärkte und ähnliche zivilatorische Errungenschaften freut, sind wir wegen der stehenden Tropenluft alle froh, am nächsten Vormittag abzulegen. 

Morgenstimmung in der Marina Bas du Fort

Der Plan lautet, zur Eingewöhnung einfach nur (Stichwort "ganz gemütlich", dafür sind wir berühmt) ein bis zwei Stunden die Segel herauszuholen, um erste Erfahrungen zu sammeln, wie alles so funktioniert. In der Praxis jedoch steht in der großen Bucht vor Pointe a Pitre erstaunlich viel Welle und wir haben wechselnden, böigen Wind. Das Ganze wird noch davon gekrönt, dass die Rollanlage des Vorsegels herumzickt, weil wir im Hafen eine Schraube getauscht haben. Alles kein wirkliches Problem, aber es gibt einen kleinen Einblick, wie die ungemütlichen Seiten des Segelns sich anfühlen. Unsere Segelneulinge bemühen sich jedoch erfolgreich, ihre gute Laune nicht zu verlieren und bekommen ihre normale Gesichtsfarbe sehr schnell wieder, nachdem am frühen Nachmittag vor Le Gosier der Anker fällt.

Marie Galante

Dergestalten auf's Schlimmste vorbereitet, fällt die kurze Überfahrt nach Marie Galante sehr moderat aus und endlich benehmen sich Schiff und Karibik wie vorher versprochen. Die Insel trägt übrigens den Namen des Flagschiffs von Christoph Columbus, angeblich, weil die Heiligen schon "aus" waren. Es war immerhin schon seine zweite Entdeckungsreise in die Karibik!
Wir ankern vor Saint Louis, dem zweitgrößten Ort der Insel. Leider ist samstagnachmittags dort alles zu, aber immerhin wird vor dem Strand mit viel Enthusiasmus ein Canoe Polo Spiel ausgetragen, so dass für Unterhaltung gesorgt ist. 

Anse Canot, Marie Galante
Anse Canot, Marie Galante

Am Sonntag schauen wir uns Marie Galante noch mal von Land aus an. Etwas weiter nördlich in der Anse Canot kann man nach einer sportlichen Strand-Anlandung per Dinghy einem gut markierten Wanderpfad folgen.

Er führt über einen kleinen Rundkurs an der Küste entlang in den Mangrovensumpf und von dort aus in die Hügel und erlaubt einen kleinen Einblick in Flora und Fauna der Insel. Da wir Marie Galante bei unserem ersten Besuch auf Guadeloupe ausgelassen hatten, freuen wir uns über die Gelegenheit, das nachzuholen. Bei ruhigem Wetter kann man dort sehr gut ankern und die Insel hat kilometerlange Strände.

Ankerplatz Anse Canot, Marie Galante
Ankerplatz Anse Canot, Marie Galante

Iles des Saintes

Blick auf die Bucht vor Bourg des Saintes
Blick auf die Bucht vor Bourg des Saintes

Die Saintes sind unsere nächste Station - ein hübsches kleines Archipel und quasi sehr verkehrsgünstig gelegen. Zumindest aus Seglersicht! 

Ein erster Anlaufpunkt ist wieder Bourg de Saintes. Inzwischen geht die Segelsaison in der Karibik ihrem Ende entgegen, deshalb ist es deutlich weniger voll als bei unserem ersten Besuch im Februar. Erstmal lernen wir jedoch, dass an einem Montag nach einer französischen Präsidentenwahl offenbar sowas wie Feiertag ist (Update: Thomas macht uns darauf aufmerksam, dass der 8. Mai in Frankreich als "Tag des Sieges" Feiertag zum Gedenken an das Kriegsende ist. Wieder was gelernt). Aber immerhin hat der beste Eisladen der südlichen Karibik auf und eine nette Bar für den Abend mit guten Wifi und Blick auf die Bucht und die halsbrecherischen Manöver der Pelikane gibt's auch. Damit ist nach drei Abenden Bordküche für unsere kulinarische Abwechslung gesorgt.

Morgens nutzen wir die Bewölkung für einen Spaziergang hoch zum Fort Napoleon mit verschiedenen Ausblicken auf die Buchten und kleinen Nachbarinseln in den Saintes.

Pain du Sucre

Den Rest des Tages wollen wir mit Schnorcheln verbringen und testen erstmal die Ilet a Cabrit. Gefühlte zig Bojenmanöver später gelingt es endlich, Entropy an eine Boje zu binden. Wir staunen jedoch, dass es selbst mit Motorunterstützung kaum möglich ist, "ordentlich" mit dem Bug hinter der Boje zu liegen. Diese klebt wie verhext mittschiffs auf der Backbordseite, nicht gut für unsere nächtlichen Nerven und das neue Antifouling. Wind und Strom sind hier offenbar rechtwinklig gegeneinander ausgerichtet, und die Strömung ist so stark, dass das Boot sich nach ihr ausrichtet. Das geht uns dann doch zu weit, daher verholen wir uns gegenüber hinter eine kleine Landzunge, das Pain du Sucre. Hier gibt es eine sehr schöne, friedliche Bucht mit einem recht munteren Unterwasserleben. Julius und Franzi machen einen sehr ausführlichen Schnorchelausflug mit Päuschen am Strand und haben am Ende einiges zu berichten!

Pain du Sucre, Iles des Saintes
Pain du Sucre, Iles des Saintes

Überfahrt an die Westseite von Guadeloupe

Hier zeigt sich mal wieder die Crux des küstennahen Segelns - zunächst laufen wir ganz entspannt bei halbem Wind in den Saintes los Richtung Norden. Kurz vor Vieux Fort, an der Südwestecke von Guadeloupe, nimmt der Wind jedoch recht plötzlich um rund 7-10 Knoten zu. Da wir diese Ecke schon ein paar Mal ausgetestet haben, wird vorher gerefft.

Wenig später kommt man auch schon in die Landabdeckung von Guadeloupe und sieht sich mit gerefften Segeln in der Flaute.

Unsere Crew lernt also im Schnelldurchlauf eine Auswahl verschiedener Variationen von Segeln und Motoren in allen möglichen Windstärken von 1 bis 6 Bft kennen, inklusive des damit verbundenen Arbeitseinsatzes bei der Anpassung der Segelfläche.

Gute Bedingungen, das Steuern des Schiffes in die eigenen Hände zu nehmen - inklusive Erspähen und rechtzeitiges Umfahren von Fischreusen, die hier reichlich ausgelegt sind. Meistens sind sie durch kleine Bojen markiert, an manchen hängt jedoch auch nur eine alte durchsichtige Plastikflasche.

Guadeloupe - Pigeon Island

Nachmittags ankern wir in der Anse Malendure, von der aus sich der Marinepark von Pigeon Island leicht erreichen lässt. Schon beim Ankermanöver begrüßt uns eine Seeschildkröte, die uns später noch öfter besuchen kommt und sich auch gern mal ablichten läßt.
An Land ist eher weniger los, aber immerhin schlappt Martin für frisches Brot, Obst und Gemüse die 20 Minuten zum Carrefour und der Rest der Crew checkt (erfolgreich) Restaurants für den Abend und erbeutet eine reife kleine Mango, die Franzi direkt vor die Füße fällt. Die hat übrigens sehr gut geschmeckt - wir haben sie Tage später im Obstkorb wiedergefunden und ins Müsli geschnippelt.

Umlaufende Winde in der Nacht - nicht gut für den Anker
Umlaufende Winde in der Nacht - nicht gut für den Anker

Morgens rüsten wir uns für den großen Schorchelausflug und schippern mit dem Dinghy rüber nach Pigeon Island. Die winzigen, unbewohnten Inselchen gehören zum Jacques-Cousteau-Unterwasserpark und stehen schon lange unter Naturschutz. Dementsprechend gibt es sehr viele Fischarten, die sich von uns überhaupt nicht stören lassen und sogar eine interessant gefleckte Muräne. Auch ein Platz, den wir beim ersten Besuch von Guadeloupe ausgelassen haben - es hat sich gelohnt, einer der besten Schnorchelplätze, die wir bisher gesehen haben!
Abends werden wir noch beim Kochen von einem Gewitter überrascht - die heftigen Böen bringen uns dazu, das Schiff schon mal provisorisch startklar zu machen, falls wir den Ankerplatz verlassen müssen.

Unsere Vorsicht wird aber mit einer doch recht ruhigen Nacht belohnt und unsere elektronische Ankerwache lässt uns halbwegs entspannt schlafen.

Am Morgen schauen wir ungläubig auf den Plot der Bootsbewegung, ein Vollkreis mit verschiedenen Radien. Normalerweise sieht dieses Diagramm aus wie eine Banane (in diesem Fall wäre nur der nierenförmige Teil ganz links bei den Fähnchen zu sehen). Der Wind muss in der Nacht aus nahezu allen Richtungen gekommen sein, nur Südwind fehlte scheinbar.

Glücklicherweise hat der Anker gut gehalten.

Au revoir la France et bonjour Dominica!

Nun wird  es langsam Zeit, Kurs auf Dominica zu setzen. Wieder haben wir auf der Westseite von Guadeloupe volle Landabdeckung mit spiegelglatter See, so dass wir motoren müssen. Das hat aber auch sein Gutes: ein paar Delphine macht unser Motorgeräusch neugierig und einer schwimmt sogar direkt vor unserem Bug herum! Das wurde unserer Meinung nach auch mal Zeit, wir haben bis dato nur selten Delphine gesehen, was in der langen Zeit eigentlich ungewöhnlich ist. Und außerdem waren sie quasi "bestellt" für Franzi und Julius!

Wir übernachten noch einmal auf den Saintes (Stichwort verkehrsgünstig gelegen), wo wir ausklarieren, um auf Dominica keinen Stress bei der Einreise zu bekommen. Außerdem gibt das die Gelgenheit für ein Abendessen bei den Baumfröschen - das Restaurant "Fringale" hat einen sehr schön angelegten Hinterhof-Garten, wo die in der Karibik allgegenwärtigen Baumfrösche sich erfolgreich bemühen, zum Hauptthema am Tisch zu werden. Sie sind sehr klein, und wenn man ihrem Versteck näher kommt, ist mal kurz Ruhe. Aber auch nur kurz!

Dominica - grüner wirds nicht!

Tags darauf geht's los nach Dominica. Um unsere Freunde von der Step by Step zu zitieren: "alkoholfreies Champagnersegeln"! Kaum Welle, dafür ein entspannter Amwindkurs mit 12-15 Knoten bringen Entropy gut ins Laufen und wir kommen schneller vor der Nordwestecke von Dominica an, als wir dachten. Dort binden wir dann doch lieber ein Reff in die Segel, weil die große, bergige Insel für reichlich Kapeffekt sorgt.

Bei der Einfahrt in die Prince Rupert Bay begrüßt uns dieses Mal Titus mit dem Boots- und Businessnamen "Lawrence of Arabia" und PAYS-Mitglied. Titus ist ein freundlicher Rasta, der uns nach dem Festmachen an der Boje sehr engagiert bei der Erledigung von Customs und Immigration hilft. Es ist Samstag, das Büro ist nicht besetzt, aber theoretisch hat ein Beamter dienst. Theoretisch.

Unter Leitung von Titus geht es zu Fuß zu den Privatwohnungen der Beamten (hätten wir ohne ihn weder gefunden noch gewagt) - keiner da, wir kehren unverrichteter Dinge zurück zum Boot.

 

Er holt uns am späteren Nachmittag noch einmal ab, er hat vorher geklärt dass jemand vor Ort ist. Bei der Dame vom Zoll findet das Ausfüllen der Formulare am Ende in ihrer Küche statt (das ist mal ein Homeoffice). Dort geht es munter zu, wir sind nicht die Einzigen, die heute einklarieren wollen.

Water Taxis sind schon praktisch...
Water Taxis sind schon praktisch...

 

 

Für's Boot wäre die Sache damit erledigt und wir dürfen Montag ohne weitere Formalien wieder auslaufen. Für Julius und Franzi geht die Odyssee weiter, da sie das Boot verlassen und später per Fähre ausreisen, müssen sie separat durch Immigrations, das ist aber in der Stadt. Wir lassen uns von Titus mit dem Boot zum Town Dock fahren und gehen zur Polizeistation, wo natürlich wieder niemand im Büro ist. Der freundliche Polizeibeamte will gerade jemand anrufen, da kommt zufällig die Dame von Immigrations mit ihren beiden kleinen Kindern vorbei, versetzt sich kurzerhand in den Dienst und erledigt die Formalien.

Indian River Tour, revisited

Na, wer sieht den Elefanten im Bild...?
Na, wer sieht den Elefanten im Bild...?

Sonntag ist wieder früh Aufstehen angesagt: wir machen eine Indian River Tour, 7 Uhr werden wir abgeholt. Titus lädt noch die Amerikaner von der Yacht nebenan zu uns in sein Holzboot und rudert uns dann in den frühmorgendlichen Mangrovenwald. Wie schon beim ersten Mal erfolgt ein Abstecher zu Calypso's Hut und unterwegs gibt es viele Erläuterungen der Pflanzen und Tiere.

Später schließt sich ein Spaziergang zu einer kleinen Farm an, wo Titus aus dem Garten seines Schulfreundes jede Menge einheimisches Obst zum zweiten Frühstück holt und wir selbstproduzierten Passionsfruchtsaft trinken können. Für uns ist es die zweite Indian River Tour, aber wir entdecken noch viel Neues und jeder Führer hat offensichtlich seinen eigenen Stil. Hat sich gelohnt!

Früchte aus dem Garten: Grapefruit, Passionsfrucht (Maracuja), Zitronengras, Bay Leaves, auf dem Teller noch Guave und Kokos
Früchte aus dem Garten: Grapefruit, Passionsfrucht (Maracuja), Zitronengras, Bay Leaves, auf dem Teller noch Guave und Kokos

Zurück auf dem Schiff machen sich Julius und Franzi per Dinghy auf die Suche nach Bargeld (ATM). Plötzlich tut es einen Ruck und wir stellen bei der Ursachenforschung fest, dass wir treiben: die Leine unserer Boje ist gerissen, jedoch hat Entropy seinen eigenen Schutzengel, der dafür sorgt, dass wir zu der Zeit an Bord waren. Wäre das zwei Stunden früher passiert, wäre das Boot führerlos durch die Bucht gedriftet. Was für ein Glück!

Und was dann passiert, ist völlig unglaublich: Wir starten gerade den Motor und bereiten uns darauf vor, die Leinen loszuwerfen, um an eine andere Boje zu gehen. Wir haben noch keinen Handschlag gemacht, da verfängt sich unsere mitgeschleppte Boje mit der leeren Boje hinter uns, die beiden Bojen vertwisten sich so, dass das Boot quasi von selbst festmacht! Wir liegen für den Moment fest, die Situation bleibt aber natürlich unter Beobachtung. PAYS wird gerufen, und ein paar Minuten ist Titus zur Stelle, der sich das Drama anschaut und uns hilft an der Boje "richtig" festzumachen.

Alles gut, nichts passiert, aber Julius und Franzi haben sich bei ihrer Rückkehr etwas gewundert, dass das Boot irgendwie "gewandert" ist. 

Rechts die zerrissene Leine, die unsere Boje am Grundgeschirr befestigte. Und wie man sieht, bekneift unsere Leine die zufällig erfasste Boje (links) so, dass unser Boot erst einmal fest liegt. Schade, wird jetzt nichts mehr mit dem Lottogewinn...
Rechts die zerrissene Leine, die unsere Boje am Grundgeschirr befestigte. Und wie man sieht, bekneift unsere Leine die zufällig erfasste Boje (links) so, dass unser Boot erst einmal fest liegt. Schade, wird jetzt nichts mehr mit dem Lottogewinn...

Auf Wiedersehen!

Nach einem letzten schönen Abend in der Strandbar mit kreolischen Spezialitäten (und natürlich Rum-Punsch) heißt es am Montagmorgen Abschied nehmen. Titus nimmt Julius und Franzi samt Gepäck in Empfang, um sie an das Towndock von Portsmouth zu bringen. Von dort aus geht es für die beiden weiter nach Calibishie, während wir wieder Kurs setzen zurück nach Guadeloupe. Auf uns wartet der Atlantik und dafür sind noch einige Vorbereitungen zu treffen!
Wir haben die Woche mit unseren Gästen sehr genossen und uns über die Gesellschaft gefreut! Wir haben uns auch sehr schnell daran gewöhnt, bei den Segelmanövern ein paar helfende Hände mehr zu haben. Das wird vom Skipper mit einer offziellen Seemeilenbestätigung belohnt, so dass die ersten 112 Seemeilen für einen eventuellen späteren Segelschein schon "im Sack" sind. Jedenfalls hoffen wir, dass das Segeln zwei neue Fans gefunden hat; die Bootstauglichkeit ist hiermit jedenfalls bewiesen!

Titus "Lawrence of Arabia" holt Franzi und Julius mit dem Water Taxi ab
Titus "Lawrence of Arabia" holt Franzi und Julius mit dem Water Taxi ab
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Via Statia (St. Eustatius) zurück nach Guadeloupe (26.04. - 27.04.2017)

Früh springen wir aus der Koje, um in Sint Maarten aus der Marina auszuchecken und die erste Brückenöffnung um 08:30 Uhr aus der Simson Bay Lagoon zu erwischen. Leider haben wir am Vortag beide vergessen, dass wir noch ausklarieren müssen, daher werfen wir nach der Brückendurchquerung noch mal den Anker und Martin fährt zu Customs und holt die nötigen Papiere.

Anschließend kommen wir mit einer netten Überfahrt in wenigen Stunden nach Statia und freuen uns darüber, dass unser Autopilot wieder tadellos funktioniert!

"We are celebrating Kings Day", nein eigentlich feiern den alle hier, wir wissen nur nicht, wo...
"We are celebrating Kings Day", nein eigentlich feiern den alle hier, wir wissen nur nicht, wo...

Am nächsten Morgen machen wir uns fertig für den Landgang und freuen uns nach all dem Hafenstress auf Sint Maarten auf einen entspannten Urlaubstag mit Inselbesichtigung. Leider haben wir (und unser Törnführer!) die aktuellen Familienverhältnisse des niederländischen Königshauses nicht ganz exakt im Plan, daher entgeht uns, dass an dem Tag "King's Birthday" ist. Das wird vor allem in den Niederlanden ganz groß gefeiert, in den niederländischen Antillen sorgt es immerhin noch für allerorten hochgeklappte Bürgersteige und geschlossene Büros.

Der freundliche Beamte bei Customs und Immigration hätte uns ja gern abgefertigt, aber leider benötigt er dazu den Stempel der Port Authority, dass wir die Hafengebühren (für's Liegen vor eigenem Anker in der Bucht!) bezahlt haben.

Deren Büro jedoch ist leider nicht besetzt und die hilfbereite Dame der Security telefoniert (mit ihrem privaten Telefon, dessen Prepaid-Karte darüber komplett entleert wurde) für uns eine ganze Reihe von Leuten ab und versucht, jemanden aufzutreiben. Leider vergebens!

Unverrichteter Dinge und mit der berückenden Aussicht, am nächsten Morgen direkt vor dem Auslaufen wiederkommen zu müssen, um einfach nur Geld (für nichts) zu bezahlen, machen wir uns auf den Weg in den Ort. 

Im Hintergrund Entropy, heute mal mit Rahmen
Im Hintergrund Entropy, heute mal mit Rahmen

Oranjestad liegt auf einem Hochplateau ca. 20 m oberhalb der Küste und war früher ein bedeutendes Handelszentrum in den kleinen Antillen. Neben dem Fort und der Kirche besteht der Ort aus einer Menge kleiner und hübscher Häuser, die wirklich so wirken, als hätte man Holland in die Karibik verlegt.

Leider sind aber die ganzen nett anzusehenden Läden zu und wir sind froh, dass wir im Para Mira auf der Veranda ein leckeres Mittagessen und selbstgebackenen Kuchen bekommen. 

 

Jeder kennt hier jeden: beim Vorbeifahren wird immer gehupt und gewinkt und die Gäste grüßen zurück.

Der Bummel wird mit einer Runde durch das Fort abgerundet: von hier aus wurde im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg der erste Salut für ein US-amerikanisches Schiff abgefeuert. Damit waren die USA von Statia offiziell als Nation anerkannt, was den Insulanern allerdings nicht gut bekommen ist: die britische Invasion (aus Rache) folgte auf dem Fuß.

Am Folgetag laufen wir aus Richtung Guadeloupe. Zielpunkt ist Deshaies im Norden und wir müssen ca. 26 Stunden hoch am Wind laufen. Das ist mit entsprechender Welle und gelegentlichem Reffen eher ungemütlich und wir sind froh, mittags ins Deshaies unseren Anker fallen zu lassen. Guadeloupe bekommt eine zweite Runde und wir freuen uns auf unsere Gäste!

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Ungeplanter Aufenthalt auf Sint Maarten (20.04. - 26.04.2017)

Kurz vor Simpson Bay schwimmt ein Seevogel auf dem Wasser, als wir vorbeifahren, fliegt er auf den Ankerbeschlag und lässt sich bis zur Bucht mitnehmen...
Kurz vor Simpson Bay schwimmt ein Seevogel auf dem Wasser, als wir vorbeifahren, fliegt er auf den Ankerbeschlag und lässt sich bis zur Bucht mitnehmen...

Wie im letzten Artikel berichtet, stellte sich bei unserer geplanten Überfahrt von den British Virgin Islands nach Statia nach kurzer Zeit heraus, dass unser Autopilot nicht richtig funktioniert.

 

Von Hand gesteuert funktionierte alles, aber wenn wir auf Autopilot schalteten, stellte dieser nach wenigen Sekunden eine Abweichung vom Sollkurs fest und fing an, Ruder zu legen. Die Ruderlageanzeige des Systems zeigte an, dass der Autopilot auch tatsächlich was tat, aber das eigentliche Ruder blieb davon unbeeindruckt. Auf den Steuerrädern war keinerlei Aktion des Autopiloten merkbar, daher konnte dieser das Schiff auch nicht steuern. Also blieb wie gesagt nur, von Hand zu steuern.

 

Irgendwann war auch die Nacht vorbei und Sint Maarten in Reichweite. War dann auch gut.

 

Inseltour mit dem Auto

Wir machen das Beste aus der Situation: wenn wir schon wieder auf Sint Maarten rumhängen, können wir uns eigentlich auch endlich mal die Insel ansehen. Da FKG frühestens Montag für uns Zeit hat und am Wochenende sonst ohnehin nichts passiert, nehmen wir am Samstag einen Mietwagen und schauen uns mal die Gegend an. 

Wir beginnen in Marigot auf der französischen Inselseite (mit dem Mietwagen kommt man ohne Probleme über die Grenze - mit dem Boot müssten wir aus- und wieder einklarieren...) und schauen uns den Markt an. Danach machen wir eine kleine Tour über die Nordküste bis zum Osten der Insel. In dem kleinen Hafenort Oyster Point lunchen wir im Captain Oliver's. Das interessante an diesem Restaurant: wir parken unser Auto noch in Frankreich und betreten das Restaurant über ein kleines Brückchen, das die Grenze zu den Niederlanden überquert. 

Auf dem Rückweg halten wir noch kurz an und besteigen den Pic Paradis, einen kleinen Berg, von dem man einen hübschen Blick über die Insel hat.

Fehlersuche und -Behebung

Am Sonntag schauen wir uns die Ruderanlage mal genauer an und analysieren das Problem. Recht schnell ist der Grund für das Problem gefunden: der 10 mm starke Edelstahlbolzen, der den Autopilot-Quadranten über eine Achse mit dem Ruderquadranten verbindet, ist gebrochen. Glücklicherweise kann man diesen Bolzen einfach erreichen: der Zugang für das Notruder im Cockpit erlaubt direkten Zugang zu der Achse, und der Bolzen ist ganz oben eingesetzt.

Er lässt sich ohne Kraft entfernen, offenbar hat sich der Bolzen nach dem Bruch langsam aus der Achse herausgearbeitet. Vermutlich ist das schon Wochen oder Monate her, und erst auf der Überfahrt von den BVIs sind die entscheidenden letzten Millimeter herausgerutscht.

Montag berichten wir das den Experten bei FKG und präsentieren den Bolzen sowie Fotos von der Ruderanlage. Die genaue Fehlerbeschreibung und das daher absehbar kleine Projekt wirkt sehr motivierend, Gordon, der Chef der Hydraulikabteilung, verspricht uns, dass gleich nach dem Mittag ein Mitarbeiter vorbeikommt und uns hilft. Einen passenden Bolzen haben sie leider nicht, wir bekommen den Quest, bis dahin einen metrischen 10 mm x 100 mm Bolzen zu finden.

Die Quest-Chain führt uns über die üblichen Chandleries (Island Waterworld und Budgetmarine) - leider gibt es dort nur 10 mm x 80 mm. Man rät uns, doch bei "Antilles Paint", einem Farbenladen um die Ecke zu fragen, die hätten alles.

So ist es auch, in dem etwas chaotischen Laden werden Kunden etwas gewöhnungsbedüftig begrüßt, man steigt über halb ausgepackte Kisten und Kabeltrommeln. Aber hinten im Lager findet der niederländisch brummelnde Mitarbeiter tatsächlich Edelstahlbolzen in 10 mm x 100 mm. Martin kauft gleich 6 Stück und zahlt dafür 32 US$. Egal, wir haben den Quest-Gegenstand!

 

Martin (nur echt mit dreckigen Füßen) oben und Douglas von FKG (Füße in der Backskiste erkennbar)
Martin (nur echt mit dreckigen Füßen) oben und Douglas von FKG (Füße in der Backskiste erkennbar)

Zurück zum Boot, schnell was essen. Kaum sind unsere Teller in der Pantry, steht auch schon Douglas von FKG auf der Matte.

Douglas zwängt sich durch die Backbord-Backskiste in den engen Tunnel quer im Heck des Bootes, um den Bolzen auszutauschen (das geht nicht mehr so einfach von oben).

Martin hält von oben mit dem Schraubenschlüssel gegen, während Douglas von unten sich 1/16 Drehung um 1/16 Drehung erarbeitet. Irgendwann ist es aber geschafft: Funktionstest - geht. Kurzer Check des Ruders durch den Experten: alles OK. Wir können beruhigt weitersegeln!

Das Notruder-Rätsel

Unser Notruder - frisch mit einer Kerbe versehen, damit es auch in die Aufnahmeöffnung im Boot passt
Unser Notruder - frisch mit einer Kerbe versehen, damit es auch in die Aufnahmeöffnung im Boot passt

Bei der ganzen Ruder-Arie ist uns aufgefallen, dass unser Notruder nicht in die dafür vorgesehenen Aufnahmen passt! Das hätte im Notfall echt blöd enden können.

Douglas meint, das sei kein Problem, er könne das Notruder gerade zur Werkstatt mitnehmen und einen Schlitz reinfräsen. Perfekt, das machen wir.

Tags darauf holen wir unser frisch geschlitztes Notruder ab (getestet: passt!) und statten - wo wir gerade dabei sind - noch einmal unserer Lieblingschandlery Budget Marine einen Besuch ab.

Und weiter gehts

Mittwochmorgen geht es endlich los, wir verlassen hoffentlich Sint Maarten zum letzten Mal für diesen Törn, Kurs auf Statia.

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Abschied von den British Virgin Islands

Es sind halt die BRITISH Virgin Islands...
Es sind halt die BRITISH Virgin Islands...

Nachdem wir über Ostern im North Sound von Virgin Gorda einen kleinen Tiefausläufer ausgesessen haben, fand sich gestern ein passendes Wetterfenster für die Rückfahrt in Richtung Guadeloupe: Anfang Mai kommen unser Neffe Julius und seine Freundin Franzi zu Besuch, wir haben uns auf Guadeloupe verabredet.

Um passend vor Ort zu sein, sind wir also gestern (19.04.), gegen 11 Uhr losgefahren und wollten eigentlich am nächsten Tag auf Statia (St. Eustatius) - der einzigen Insel, die wir hier noch nicht gesehen haben - einen Zwischenhalt einlegen. Es kam natürlich anders, doch dazu später.

 

Die British Virgin Islands - unser Fazit

Zusammenfassend sind wir uns beide einig, dass die BVIs wirklich ein außergewöhnlich schönes Revier sind.

 

Es gibt hier sehr viele kleine Inseln mit wunderschönen Buchten und großartigem Unterwasserleben. Das alles in sehr klarem Wasser, so dass Schnorcheln ein wahrhaft ungetrübtes Vergnügen ist.

Die Ansteuerung ist manchmal etwas heikel, da es überall vorgelagerte Korallenriffe gibt. Aber auch das läßt sich mit etwas Vorsicht und Erfahrung gut machen. Schließlich muss man sich ja auch nicht durch jede enge Passage mit unklarem Grund quetschen, wenn es nebenan eine (korrekt nach IALA-B) betonnte Zufahrt gibt. Die Inseln liegen alle so dicht beisammen, dass es meistens (zumindest für uns) zur echten Sinnfrage wird, ob man sich überhaupt die Mühe macht, für eine Handvoll Seemeilen extra die Segel zu setzen. Zumindest wenn man (also wir "Langfahrtsegler") länger unterwegs ist, leidet man ja nicht an einem Mangel gesegelter Meilen.  Wir sparen uns also konsequenterweise oft das Setzen der Segel und motoren einfach zum nächsten Platz.

Aber auch die Menschen hier scheinen ihren Weg gefunden zu haben. Das Einkommensniveau ist gut genug, dass große Autos und Häuser die Norm sind.

Ankerspaß

Das Paradies hat leider auch, wie immer, so seine Schattenseiten. Wir haben noch nie ein derart überlaufenes und unfassbar teures Segelrevier erlebt! Die Tatsache, dass 90 % der interessanten Ankerplätze komplett mit Mooringbojen gepflastert sind und diese für (mindestens) 30 US$ pro Tag vermietet werden, ist echte Beutelschneiderei. Wobei wir uns nach einiger Zeit einen Spaß daraus gemacht haben, präzise zwischen den Bojen zu ankern.

Nun, wir haben nach zwei Wochen wissenschaftlicher Beobachtung eine Theorie: die wollen das hier alle so!

Die Theorie geht so: die meisten amerikanischen Charter-Crews (und tatsächlich auch viele amerikanische und kanadische Eigner) scheinen ein echtes Problem mit Ankermanövern zu haben. Das Muster sieht so aus: entweder können sie gar nicht ankern, oder wenn sie ankern, dann hauen sie alles an Kette raus, was im Ankerkasten ist - man kann ja nie wissen.

In der Folge lassen sie dann den Rest der Welt (also alle, die nach ihnen kommen) wissen, dass "ihr Anker genau DA liegt"! Was sich später als Blödsinn rausstellt, da ihr Anker offenbar einer völlig anderen Stelle liegt.

Im Ernst, wir haben in Benures Bay zwischen einem Amerikaner und einem Kanaderier, beide Eigner, geankert. Beide (!) hatten auf 5 m Wassertiefe weit mehr als 30 m Kette draußen. Bei 10 kn Wind. Kein Kommentar.

(Die Franzosen machen das übrigens vom Ablauf her ganz anders: viel Kette raus, danach versonnen hinterher nach unten gucken. Nach einer Minuten nach hinten gehen, gut ist. )

Wie dem auch sei: die kulinarische Auswahl und das Lebensgefühl auf den BVIs wirken eher amerikanisch als britisch, was vermutlich aufgrund der Nähe zu den "USVIs" (US Virgin Islands) zwangsäufig ist. Vielleicht ist es auch die Menge amerikanischer Urlauber, die auch häufig eher unbedarft mit ihren Booten umgehen. Jedenfalls drängt sich der Eindruck eines karibischen Disneylands auf. Das hässliche Wort "Plastikkaribik" fällt bei uns öfter. Möglicherweise tun wir den BVIs Unrecht damit, aber unser Ding ist das irgendwie nicht so ganz - zumindesten nachdem wir die Windward Islands so gut kennen.

Leverick Bay Marina
Leverick Bay Marina

Ungeplanter Abstecher nach Sint Maarten

Wir bekommen also unser Wetterfenster, also Wind der passenden Geschwindigkeit (14 - 16 kn) aus der passenden Richtigung (NO), und legen nach dem Ausklarieren in Gun Creek, Virgin Gorda, Kurs auf Statia. Eine Stunde, nachdem wir die Nordspitze von Virgin Gorda hinter uns gelassen haben, fällt uns unangenehm auf, dass sich unser Autopilot irgendwie merkwürdig verhält: er kann offenbar den Kurs nicht richtig halten und läuft andauernd aus dem Ruder.

Ein paar Tests offenbaren, dass da wirklich etwas nicht stimmt: die angezeigte Ruderlage stimmt nicht mit dem tatsächlichen Ruderausschlag überein, und der Autopilot bekommt offensichtlich keine Kraft mehr auf die Ruderanlage. Nach kurzer Überlegung beschließen wir, von Hand gesteuert weiterzusegeln und statt Statia ein weiteres Mal Sint Maarten anzulaufen (seufz). Dort gibt es bekannterweise Marineservice und Ersatzteile satt.

Der Kurs bleibt erst trotzdem mal der alte, Sint Maarten liegt genau "gegenan", wir müssen also erst mal den Bug bis kurz vor Saba weiterlaufen und wenden dann. Wir richten uns also auf einen anstrengenden Tag ein, denn einer von uns muss ohne Autopilot ja immer steuern. Kein echtes Problem, aber erfordert etwas Umdenken.

Wir reparieren unser Boot an den schönsten Plätzen der Welt...

Nach einer eher anstrengenden, weil handgesteuerten Überfahrt laufen wir heute Mittag wieder einmal wieder in Sint Maartens Simpson Bay ein. Nach dem obligatorischen Einklarieren besuchen wir unseren schon erprobten Dienstleister FKG Rigging, mit denen wir das weitere Vorgehen besprechen.

Wir werden also erst mal hier Station machen und ab Montag einmal wieder in IGY Marina liegen, währen FGK Rigging (bzw. FKG Hydraulics) sich mit unserem Autopilot-Problem beschäftigt.

Unsere Vorab-Analyse sieht verhalten positiv aus: es scheint so zu sein, dass die Kraftübertragung vom Autopiloten an die Ruderanlage nicht mehr richtig funktioniert. Der Rest schein OK zu sein. Mit Glück ist das schnell zu beheben, wenn wir Pech haben, müssen Ersatzteile bestellt werden. Die würden wir dann vermutlich eher nach Guadeloupe liefern lassen.

Unser Ansprechpartner bei FKG Hydraulics hat lustigerweise deutsche Eltern, heißt Karl-Heinz mit Vornamen und hat seine Kindheit in Breisach verbracht. Nachdem wir unsere weiteren Stationen (inklusive der Atlantiküberquerung) erklärt haben, schöpfen wir Hoffnung, dass wir bei Karl-Heinz einen Stein im Brett haben.

Wir halten Euch auf dem Laufenden...

Lieblingsorte: Lagoonies in Simpson Bay

Das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden: Happy Hour im Lagoonies, gute Rum-Punches und schnelles WiFi. So macht das Bloggen dieses Artikels doppelt Spaß...

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Jost van Dyke und Norman Island (08.04. - 13.04.2017)

Treibholz an unserem "Privatstrand" vor Green Cay
Treibholz an unserem "Privatstrand" vor Green Cay

Green Cay, Jost van Dyke

Uns steht der Sinn nach etwas Frieden und Abgeschiedenheit (sofern hier überhaupt möglich), daher flüchten wir uns zuerst nach Green Cay vor Little Jost van Dyke. Hier gibt's (bis auf die Bar um die nächste Ecke herum) keine weitere Infrastruktur und keine Bojen, was einem die Charterflotte weitgehend vom Hals hält.

Dumm nur, dass an beiden Tagen pünktlich zum Sonnenuntergang ein großer (60 Fuß) und ein sehr großer (70 Fuß) Katamaran kommt und sich dicht nebenan legt.

 

Im zweiten Fall handelt es sich um einen alten Bekannten, die Maverick. Dieser Kat (nur echt in Top-Gun-Optik) hatte uns kurz vor Grenada auf unserer Atlantik-Überfahrt überholt, und Martin hatte damals per Funk ein nettes Schwätzchen mit dem Wachhabenden. Dieses Mal ist es weniger erfreulich: Maverick läuft unter Luxuscharter und die deutschen Passagiere testen die Leistungsfähigkeit der Outdoor-Entertainment-Anlage des Schiffes mit Jürgen von der Lippe ("Dann ist der Wurm drin") und ähnlichen großartigen Klassikern des deutschen Showgeschäfts.

Wir sind erst fassungslos und denken, dass wir uns verhört haben, und später hoffen wir nur noch, dass das Kind früh ins Bett muss.

Übrigens kostet eine Woche auf der Maverick einen mittleren fünfstelligen Eurobetrag - dafür muss natürlich (komme was wolle) alles ausgekostet werden. Selbstverständlich gibt es auch eine Foto-Drohne, die unbedingt ausprobiert werden muss.

Dem Skipper ist zugute zu halten, dass er sich redlich bemüht hat, weit weg zu ankern, aber sein Anker offenbar nur direkt neben uns gehalten hat.

Trotzdem gefällt uns Green Cay ziemlich gut, unser kleiner Privatstrand lädt zu einem kurzen Besuch ein. Wir ziehen die Flossen an, setzen die Maske auf und schnorcheln rüber. Am Strand steht das Fragment einer "Zwiegstelle" der B-Line Bar um die Ecke.

Green Cay, Jost van Dyke
Green Cay, Jost van Dyke

Great Harbour, Jost van Dyke

Bojenfeld von Great Harbour
Bojenfeld von Great Harbour

Anderntags testen wir noch mal Great Harbour auf Jost van Dyke und leisten uns dort mal eine Boje. Great Harbour liegt nahe der US Virgin Islands und ist ein Port of Entry, daher scheinen viele Amerikaner mit ihren Charterbooten hier einzuklarieren.

Wir sind glücklicherweise früh da und staunen später über das "Bojen-Rennen", was sich hier stundenlang abspielt. 

 

Strand von Great Harbour
Strand von Great Harbour

Der Ort ist recht nett und fühlt sich endlich mal wieder wie Karibik an. Es gibt eine charmante Bäckerei (Christine's Bakery), ein paar nette Bars und einen kleinen Supermarkt.

Abends testen wir das Corsair, was sehr entspannt und "casual" wirkt, uns dann aber nach einem Blick ins Menu schnell wieder vor die Tür treibt: 32 US$ für eine Pizza Margherita? 45 US$ für einen Burger?

Aber der Laden ist voll und das Preisniveau ist nebenan bei "Foxy" nur moderat angepaßter (dafür bekommt man dort für nur 7 US$ einen Wein im Plastikbecher serviert).

Übrigens hat die Boje 35 US$ gekostet... Das ist sicher die Inflation.

Benures Bay, Norman Island

Ebbe langt's, wie der Hesse so sagt. Daher verschwinden wir aus Jost von Dyke, bevor wir endgültig arm sind. Wir finden ein entspanntes Plätzchen südlich von Tortola auf Norman Island in der Benures Bay.

Keine Bojen, keine Bars und richtig friedlich. Man kann super schnorcheln: wir sehen eine Conch, die auf dem Meeresboden herumwackelt, ein paar große Raubfische (wir halten uns nach dem Pseudo-Hai-Desaster mal mit der Artenbestimmung zurück....), einen großen Rochen und die üblichen kleinen bunten Tropenfische.

Pelikane schlagen sich hier die Bäuche voll und unterhalten uns mit mehr oder weniger geschickten Manövern. 

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Die Suche nach dem Ankerplatz

Marina Cay, Tortola
Marina Cay, Tortola

Marina Cay, Tortola

Nachdem wir Anegada schnell wieder hinter uns gelassen haben, ist der Plan, uns durch die vorgelagerten Inseln zu hangeln und ein paar Tage später auf Jost van Dyke anzukommen. Schnell stellen wir fest, das die Suche nach einer geeigneten Bucht zum Übernachten ein wenig nervenaufreibend werden kann. Jedenfalls, wenn man nicht gewillt ist, jede Nacht irgendjemandem 30 US$ in den Rachen zu werfen!

 

Also gilt es, aus dem Törnführer passende Buchten auszusuchen, wo möglichst keine oder nicht allzuviele Mooring-Bojen ausgelegt sind und möglichst noch halbwegs guter Ankergrund ist. Das machen natürlich nicht nur wir, daher muss man ziemlich früh kommen, um noch Platz zu finden.

 

Vor Marina Cay wird's uns das erste Mal zu blöd und wir bezahlen zähneknirschend. Unsere Boje gehört dem Marina Cay Resort, wo wir abends gemeinsam mit der Crew von der Anima IV sundownern und essen. An sich ein sehr schöner Platz, allerdings hat es schon Chuzpe, dass man als Gegenleistung für die exorbitante Bojengebühr nicht mal seinen Müll abliefern darf. Kostet wieder extra!

Nette Beleuchtung auf dem Weg von der Happy Arrrr Bar runter zum Strand
Nette Beleuchtung auf dem Weg von der Happy Arrrr Bar runter zum Strand

Cane Garden Bay, Tortola

Als nächstes landen wir so in der Cane Garden Bay auf der Nordseite von Tortola und ankern hinten im Bojenfeld; unfreundlich beäugt vom "Bojen-Kassierer", der am Spätnachmittag seine Runde macht, um das Geld einzutreiben. Aber ein Ankerverbot gibt's nicht, daher gilt die Überlegung: was würde das Känguru tun? Richtig!

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Anegada

Nur wenige Seemeilen nordöstlich von Virgin Gorda liegt Anegada. Flach. Traumstrände. Ein "Must-See"!

Das hat zu Folge, dass jeden Morgen im North Sound von Virgin Gorda eine Armada von Charterschiffen startet, die alle aufgrund der nur begrenzt vorhandenen Mooringbojen früh ankommen wollen. Uns steht der Sinn nach etwas weniger vollen Ankerplätzen, daher laufen wir in die große Bucht westlich von Pomato Point, wo nur geankert werden kann und wir mit ein paar anderen Privatyachten "unter uns" sind.
Und auch hier gibt es Bekannte: die Lilli aus Frankfurt am Main liegt hier, eine sehr schöne Classicyacht. Dazu gibt es eine kleine Anekdote: im English Harbour von Antigua saßen wir in der Crab Hole Bar (sic!) und waren unglücklich, dass kein Laden mehr offen hatte, der uns ein Brot zum Frühstück hätte verkaufen können. Nebendran am Dock vor dem Heck der Lilli hatte die Crew zusammen mit den Nachbarn ein kleines Picknick organisiert. Und es lag ein ganzer Berg Brote auf dem Tisch, der uns für die Gruppe überaus reichlich erschien. Nachdem wir den Rumpunsch ausgetrunken hatten, ist Martin rübergeschlappt und hat vorsichtig gefragt, ob wir wohl ein Brot abkaufen dürften. Man hat es uns einfach geschenkt und damit hat die Crew der Lilli bei uns einen Stein im Brett, auch wenn wir sie nicht näher persönlich kennen!
Anegada ist sehr flach und von wunderbaren weißen Stränden und ausgedehnten Riffen umgeben; wir fühlen uns ein wenig an Barbuda erinnert, auch wenn es dort bedeutend einsamer war. Das Wetter ist soso-lala und uns vertreibt der Schwell am nächsten Morgen wieder vom Ankerplatz; sonst wären wir sicher noch ein wenig geblieben!

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The Baths

In den Höhlen von The Baths auf Virgin Gorda
In den Höhlen von The Baths auf Virgin Gorda

Nun steht noch die Hauptattraktion auf Virgin Gorda aus: "The Baths". Dabei handelt es sich um einen kleinen Küstenabschnitt mit Sandboden, auf dem sich große, zumeist rundliche Felsen türmen. 

Das ganze schachtelt sich neben- und übereinander, so dass darunter halboffene Höhlen entstehen, an deren Boden feiner Sand ist, der im Takt der außen an die Felsen schlagenden Brandung mit Meerwasser durchspült wird. 

Das Gebiet steht unter Naturschutz; um es per Schiff zu erreichen, muss man für 150 US$ einen Marine Park Permit kaufen, der berechtigt, sich an eine der Bojen zu legen. Leider gibt es den Permit nur für das ganze Jahr, was die Sache absurd teuer macht.

Auch dann kommt man jedoch nicht trockenen Fußes an Land: man darf per Dinghy in die Bucht fahren, um es dort an eine kleinere Boje zu binden und von dort aus durch die Brandung an Land zu schwimmen. Uns kommt das Ganze sehr teuer und umständlich vor, daher ankern wir noch einmal in Spanish Town und fahren einfach für 5 US$ pro Person mit dem Taxi. 
The Baths hat einen schönen Rundweg und man kommt auch nur mit etwas Kletterei und nassen Beinen durch. Der Weg ist aber gut abgesichert, so dass wir vor allem amerikanische Familien treffen, die sich dort ebenfalls tummeln. "Photographer's paradise"!

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